Berlin-Wilmersdorf : "Antänzer" vor Hotel festgenommen

In Wilmersdorf wurden in der Nacht zu Dienstag zwei "Antänzer" auf frischer Tat festgenommen. Zwölf Stunden zuvor hatte die Polizeivizepräsidentin noch erklärt, dass das Delikt "weitestgehend zurückgedrängt wurde".

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Nachtstreife der Polizei (Symbolbild)
Nachtstreife der Polizei (Symbolbild)Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Das "Antanzen" beschreibt die Polizei in ihrer jüngsten Kriminalstatistik so: Die Täter treten „offen“ an die Geschädigten heran, um mit ihnen zu tanzen, sie überschwänglich zu umarmen, abzuklatschen, einen Fußball- oder Judotrick vorzuführen. Ablenkung und körperliche Nähe werden dann für einen Diebstahl genutzt, wobei bevorzugt Brieftaschen, Smartphones, Armbanduhren und Halsketten entwendet werden."

Einsatz in der Lietzenburger Straße

So war es auch in der Nacht zu Dienstag in Wilmersdorf: Gegen 22 Uhr beobachteten in zivil eingesetzte Polizisten, wie ein 56 Jahre alter Gast eines Hotels in der Lietzenburger Straße im Eingangsbereich von zwei Männern angesprochen und zunächst nach einer Zigarette und einer Wegbeschreibung gefragt wurde. Als der Angesprochene daraufhin versuchte, den Weg zu erklären, begann einer der Männer ihn „anzutanzen“ und ihm dabei mit einem Griff den Verschluss der Armbanduhr zu öffnen. Der 56-Jährige bemerkte das jedoch, woraufhin die vorher noch so freundlichen „Tänzer“ ihn gewaltsam umklammerten und ihm die Uhr entrissen.

Die in ziviler Kleidung eingesetzten Polizisten rannten daraufhin auf die drei zu, verfolgten das flüchtende Duo und nahmen es wenige Straßen weiter fest. Die beiden 19 und 21 Jahre alten Tatverdächtigen konnten von dem 56-Jährigen, der oberflächliche Hautabschürfungen erlitten hatte, eindeutig wiedererkannt werden. Beide Täter stammen aus Syrien, sie werden heute von der Kripo vernommen.

Innenausschuss: Delikt "weitgehend zurückgedrängt"

Zwölf Stunden vor der Tat hatte Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses erklärt, dass das Delikt "weitestgehend zurückgedrängt" worden sei. Die Vorgehensweise war 2015 mit der Flüchtlingswelle nach Berlin gekommen. Von April bis Anfang Oktober 2016 hatte die Polizei eine Sonderkommission eingerichtet, die stadtweit alle Vorgänge zur Bearbeitung übernommen hatte.

Nach Angaben von Koppers war die Arbeit der Soko so erfolgreich, dass sie aufgelöst werden konnte. Viele Täter hatten Haftbefehle erhalten und konnten so aus dem Verkehr gezogen werden. Die Zahl der Haftbefehle wurde von 126 im Jahr 2015 auf 227 im Jahr 2016 erhöht. Innensenator Andreas Geisel (SPD) kündigte im Innenausschuss am Montag eine noch bessere Zusammenarbeit von Polizei und Justiz an. Denn: "Jeder Haftbefehl unterbricht eine Serie", sagte Geisel, dies gelte bei Wohnungseinbrechern wie bei Antänzern.

Wie es in der Kriminalstatistik weiter heißt, treten als Antänzer "vorrangig Täter aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum in Erscheinung, welche durch eine höhere Gewaltbereitschaft auffallen. Meist werden die Geschädigten bei Tatausführung von mehreren jungen Männern umringt. Bei Bemerken der Tat, was offenkundig in Kauf genommen wird, kommen körperliche Gewalt oder sogar Stichwaffen und Pfefferspray zum Einsatz. Der Übergang zum Raub ist bei diesen Sachverhalten fließend." Im vergangenen Jahr hatte ein Antänzer bei der Festnahme einer Polizistin ins Gesicht geschlagen.

Ebenfalls fließend ist der Übergang zu Sexualtaten, wie sich zuletzt beim Karneval der Kulturen in Berlin gezeigt hatte.

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