Berliner Hauptbahnhof : Geiselnehmer kommt in die Psychiatrie

Zwei Stunden lang hielt ein Geiselnehmer am Mittwoch einen Kellner im Hauptbahnhof in seiner Gewalt. Der Täter wirkte verwirrt. Ist er schuldunfähig?

Tanja Buntrock
Geiselnahme am Berliner Hauptbahnhof beendet
Ein Polizeipsychologe versucht, den Geiselnehmer zu beruhigen. -Foto: ddp

BerlinDer Geiselnehmer wird nun in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Das hat ein Ermittlungsrichter beschlossen. Nach bisherigen Erkenntnissen litt der 26-jährige Kurde eventuell unter Wahnvorstellungen, die durch Betäubungsmittel verstärkt worden waren. Deshalb ist er möglicherweise schuldunfähig. Ermittelt wird gegen ihn wegen versuchten Totschlags.

Wie berichtet, hatte der Mann am Mittwochabend zwei Stunden lang den Kellner des Cafés Segafredo im Erdgeschoss des Bahnhofs mit einem Messer bedroht. Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) überwältigten ihn, als er mit seiner Geisel aus dem Café eilte. Das 34-jährige Opfer Karsten R. blieb unverletzt.

Wie jetzt bekannt wurde, war Taner I. Reisenden bereits gegen 15 Uhr im Erdgeschoss aufgefallen. "Er hat herumgeschrien und sein Messer aufblitzen lassen", sagte ein Ermittler. Zeugen riefen die Polizei. Beamte der Bundespolizei suchten den Bahnhof nach ihm ab. Gegen 16 Uhr fanden sie ihn in dem Café. Nach Tagesspiegel-Informationen besprühten sie ihn dort mit Pfefferspray, weil der Mann plötzlich das Messer gezogen hatte und sich auf die Beamten zubewegte. "Doch das Spray wirkte nicht", sagte ein Ermittler. Warum, war gestern nicht zu erfahren. Die Gäste verließen panisch das Café. Der Kellner wollte als Letzter flüchten. Doch Taner I. griff sich den 34-Jährigen, nahm ihn in den Schwitzkasten und hielt ihm das Messer an die Kehle. Die Bundespolizisten alarmierten die Berliner Polizei, "da nun eine Geiselnahme vorlag", sagte ein Ermittler.

Der Asylbewerber soll angeblich von seiner Freundin verlassen worden sein. Von den Verhandlern der Polizei soll er Lösegeld und ein Handy sowie einen Flug in die Türkei gefordert haben. Da der Mann "unberechenbar war", habe sich das SEK jede Möglichkeit offen gehalten - auch den tödlichen Schuss, so ein Beamter. Präzisionsschützen standen schon in Position. Doch das SEK entschied sich zunächst dafür, den Mann aus dem Café zu locken und auf eine günstige Gelegenheit zu warten, um ihn zu überwältigen. Diese war gekommen, als er einen Moment das Messer von der Kehle seiner Geisel nahm.

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