Berliner Justizstaatssekretär : Seine Robe hängt jetzt in Den Haag

Am heutigen Dienstag nimmt der 61-jährige Berliner Jurist Christoph Flügge seine Arbeit am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag auf. Es könnte sein, dass er eines Tages auch über Karadzic urteilt.

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Flügge

Berlin - Die Festnahme des mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic Ende Juli hatte Christoph Flügge, ehemaliger Berliner Justizstaatssekretär, mit besonderem Interesse zur Kenntnis genommen. Denn da lief bereits das Verfahren zu seiner Nominierung als Richter am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Kurze Zeit später erfolgte die Ernennung durch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Am heutigen Dienstag nimmt der 61-jährige Jurist seine Arbeit auf, und es könnte sein, dass er eines Tages auch über Karadzic urteilt.

Noch ist offen, welche Prozessakten auf Flügges Schreibtisch landen werden. 115 Verfahren hat das Tribunal bereits abgeschlossen, 46 weitere laufen noch. Darunter ist auch jenes gegen Karadzic, dem Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt werden. Seit Karadzic in Belgrad gefasst und nach Den Haag überstellt wurde, steht sein Ex-Armeechef Ratko Mladic auf Platz eins der Fahndungsliste des UN-Tribunals. Beide sollen für das Massaker von Srebrenica verantwortlich sein, bei dem 1995 fast 8000 bosnische Muslime getötet wurden.

Als Staatsanwalt, Strafrichter, Abteilungsleiter für den Bereich Strafvollzug bei der Berliner Justizverwaltung und schließlich als Staatssekretär beim Justizsenator sammelte Flügge umfassende Erfahrungen im Strafrecht. Vor allem waren es aber wohl seine internationalen Erfahrungen, die die Bundesregierung dazu bewogen, ihn für das Richteramt in Den Haag zu empfehlen. Flügge arbeitete jahrelang als Rechtsexperte für den Europarat und engagiert sich in der 1992 gegründeten Deutschen Stiftung für Internationale Rechtliche Zusammenarbeit (IRZ). Er ist schon der zweite deutsche Richter am UN-Strafgerichtshof. Er tritt die Nachfolge von Wolfgang Schomburg an, der sein Amt ein Jahr vor Ablauf seines Mandats aus persönlichen Gründen zur Verfügung gestellt hatte. AFP

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