Berliner Statistik : Sechs Menschen in fünf Jahren durch Polizeikugeln getötet

Sechs Menschen hat die Polizei in den vergangenen fünf Jahren in Berlin erschossen. Insgesamt griffen die Berliner Beamten 551 Mal zur Dienstpistole. Dies geht aus einer kleinen Anfrage des Innenexperten der Grünen, Benedikt Lux, hervor.

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Dienst mit Waffe. Sechs Menschen hat die Polizei in den vergangenen fünf Jahren in Berlin erschossen. Insgesamt griffen die Berliner Beamten 551 Mal zur Dienstpistole.
Dienst mit Waffe. Sechs Menschen hat die Polizei in den vergangenen fünf Jahren in Berlin erschossen. Insgesamt griffen die...Foto: dpa

Die Beamten der Berliner Polizei haben in den vergangenen fünf Jahren 551 Mal von ihrer Dienstwaffe Gebrauch gemacht. Dabei wurden seit 2008 sechs Menschen erschossen – jedes Jahr gab es eine Tötung und zwölf schwer verletzt. Dies geht aus einer kleinen Anfrage des Innenexperten der Grünen, Benedikt Lux hervor.
Hintergrund ist die Diskussion nach einem Polizeieinsatz am Neptunbrunnen am Alexanderplatz im Juni dieses Jahres: Ein Polizeibeamte hatte dort einen psychisch kranken 31-Jährigen, der mit einem Messer bewaffnet war, erschossen. Die Staatsanwaltschaft entschied auf Notwehr und stellte das Verfahren im August ein. Bei den meisten Schussabgaben seit 2008 hatten die Beamten laut Statistik auf Tiere geschossen – insgesamt 398 Mal.
Da sowohl der im Neptunbrunnen getötete Manuel F. als auch die tödlich verwundete Andrea H., die im August 2011 bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam, psychisch krank waren, stellte Benedikt Lux ebenfalls die Frage nach den Konsequenzen von Schusswaffengebräuchen der vergangenen Jahre – insbesondere im Hinblick auf Menschen, die psychisch krank sind. Dazu hieß es in der Innenverwaltung, dass sämtliche Polizeischüsse „sorgfältig ausgewertet“ werden. Zudem würden die Beamten, des „Täglichen Dienstes“ anhand von Einsatztrainern im Umgang mit psychisch kranken Personen sensibilisiert. Es würden Seminare gehalten zum Thema „Einsatzmittel und ihre Wirkungsweise“ - insbesondere mit Blick auf Pfefferspray und wie dieses wirkt auf stark alkoholisierte oder psychisch kranke Menschen.

In der Fortbildung von Führungskräften werde das Thema aufgenommen. Auch solle die Zusammenarbeit mit den sozialpsychiatrischen Diensten der Bezirke verbessert werden in Fällen, wo die Polizei in Amts- beziehungsweise Vollzugshilfe gerufen wird. So, wie im Fall Andrea H.: Die 53-Jährige sollte zu einer Vorführung ins Amtsgericht Wedding gebracht werden - weigerte sich aber massiv. Der Sozialdienst bat deshalb die Polizei um Hilfe. Als die Beamten ankamen, soll die Frau mit einem Messer auf sie losgestürmt sein. Ein Polizist schoss ihr dann in den Oberkörper.
Benedikt Lux sagte, „zwar ist jeder Todesfall einer zu viel, aber insgesamt macht die Berliner Polizei zurückhaltend Gebrauch von der Schusswaffe.“

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