Betrug : Der Trick mit dem Enkel

54 ältere Berliner sind in den ersten drei Monaten auf den "Enkeltrick" reingefallen – und haben dabei 726 000 Euro verloren. Die Täter geben sich am Telefon als Enkelkinder in Geldnot aus.

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Im Schnitt verloren die Opfer 13 444 Euro. Damit sind in diesem Jahr bereits fast so viele Rentner geprellt worden wie im ganzen Jahr 2009. Damals gab es 77 vollendete Taten, der Schaden betrug eine Million Euro. Dabei ist die Dunkelziffer nach Einschätzung der Polizei immens hoch, weil viele Betrogene aus Scham keine Anzeige erstatten.

Die Opfer heißen Elfriede, Hermine, oder Bertha – die Täter suchen sich am Computer altmodische Namen aus dem Telefonbuch heraus. Der dann folgende Anruf beginnt in der Regel so: „Hallo Oma, rate mal, wer am Telefon ist.“ Die überrumpelte Großmutter nennt einen Namen, damit hat der Betrüger sein Ziel schon fast erreicht. Wortreich wird „Oma“ ins Gespräch verwickelt und dann um Hilfe gebeten. Für ein Auto, eine Reise mit der neuen Freundin… Dann wird ein „Bekannter“ angekündigt, der das Geld gleich abholen will, weil der Enkel leider verhindert ist.

Unter den Opfern waren eine Buchhalterin, die 35 000 Euro rausrückte sowie ein Mathematikprofessor, sagte Gregor Ott von der im Vorjahr gegründeten Soko „Enkel“. Die Opfer seien nicht dumm, sondern stammten aus einer Generation, die einfach hilfsbereit sei. „Wenn das Opfer angebissen hat, wird es ausgequetscht bis zum letzten Cent“, sagte Ott. Wer nicht genug Geld in der Schublade hat, wird gedrängt, schnell zur Bank zu gehen. Deshalb haben die Ermittler inzwischen Mitarbeiter aller Banken angesprochen und sie gebeten, freundlich nachzufragen, wenn ältere Kunden plötzlich viel Geld in bar benötigten. Mehrmals konnten so schon größere Summen gerettet werden und insgesamt sieben Täter festgenommen werden. Drei erhielten Haftbefehl. Nach Angaben von Kriminaldirektor Stefan Teller sind die Drahtzieher ausschließlich Sinti und Roma aus Osteuropa. Für die Telefonate werden Deutsche angeheuert.

642 Enkel-Anrufe sind der Polizei in den ersten drei Monaten des Jahres bekannt geworden, knapp jedes zehnte Telefonat führte aus Sicht der Betrüger zum Erfolg. „Die nehmen lieber zehn Versuche in Kauf als eine Festnahme“, sagte Ott. Da der erste Kontakt immer am Telefon – nie direkt an der Haustür – gesucht wird, will die Berliner Polizei jetzt kleine Aufkleber drucken lassen „Vorsicht Enkeltrick – Polizeinotruf 110“. Diese sollen sich Senioren zur Erinnerung aufs Telefon kleben, sagte die Präventionsbeauftragte der Berliner Polizei, Susanne Bauer. Zudem rät die Polizei, keine Vornamen im Telefonbuch eintragen zu lassen und sich am Apparat am besten gar nicht mit Namen zu melden. Wenn ein altmodischer Frauenname im Telefonbuch aufgeführt ist, können die Täter davon ausgehen, dass die Frau alleine lebt.

Ein Berliner Phänomen ist der Enkeltrick nicht, auch andere deutsche Großstädte haben in den vergangenen Wochen Alarm geschlagen. Ha

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