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Betrugsprozess um Frauenhilfeverein : Sürücüs Freundin entlastet Vereins-Chef

Im Prozess um den Umgang mit Spenden beim Frauennothilfeverein "Hatun & Can" hat am Donnerstag vor dem Landgericht Berlin die beste Freundin der ermordeten Deutschtürkin Hatun Sürücü den angeklagten Vereinschef entlastet.

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Der gemeinnützige Verein Hatun & Can soll Spenden veruntreut haben.
Der gemeinnützige Verein Hatun & Can soll Spenden veruntreut haben.Foto: dpa

Der Vereinschef lehnte sich zurück. Entspannt wirkte Udo D., nickte der Zeugin kurz zu. Sie würde ihn, den mutmaßlichen Spendenbetrüger, entlasten. Davon konnte er ausgehen. „Udo war immer für mich da, er hat auch Hatun geholfen“, versicherte die Zeugin sofort. Sie kannte die ermordete Hatun Sürücü sehr gut. „Sie war meine beste Freundin“, sagte Gülsah S. am Donnerstag vor dem Landgericht und schluchzte auf.

Die 31-jährige Zeugin war als Gründungsmitglied des Frauenhilfevereins „Hatun und Can“ notiert worden. „Ich habe in einem Café etwas unterschrieben“, sagte sie. Das war im Juli 2006. Zu Sitzungen des Vereins sei sie jedoch nicht gegangen. „Ich war psychisch total kaputt.“ Sie habe aber oft mit Udo D. gesprochen. „Er erzählte immer, was sie im Verein so machen.“ Gülsah S. konnte wenig zu den Finanzen sagen. „Nach Spenden habe ich nicht gefragt.“

Die Staatsanwaltschaft wirft Udo D. vor, nach dem Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü den Verein nur gründet zu haben, um sich persönlich zu bereichern. Der damalige Neuköllner Hartz-IV-Empfänger soll Spendengelder von mehr als 690 000 Euro erschlichen und teilweise für private Zwecke verwendet haben – unter anderen für eine luxuriöse Reise und einen 63 500 Euro teuren BMW X6, mit dem er sich durch die Stadt chauffieren ließ. Auch soll er zum Beleg angeblicher Ausgaben für den Verein etliche Quittungen gefälscht haben.

Udo D. hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Seit März befindet er sich in Haft. Sein Verteidiger spricht immer wieder von einem „widerwärtigen Justizskandal“. Die Ermittlungen waren durch eine Anzeige von „Emma“-Chefredakteurin Alice Schwarzer ins Rollen gekommen. Sie hatte 2009 in der RTL-Show „Wer wird Millionär“ 500 000 Euro gewonnen und das Geld dem Verein gespendet. Als Udo D. im März verhaftet wurde, stellten die Ermittler etwa 380 000 Euro sicher.

„Ich kenne Udo seit fünf oder sechs Jahren“, sagte Zeugin S. „Durch mich lernte er auch Hatun kennen.“ Das sei etwa ein halbes Jahr vor den tödlichen Schüssen im Februar 2005 gewesen. Die Anklage geht hingegen davon aus, dass es nur einen Kontakt zwischen Udo D. und Hatun Sürücü gab. Gülsah S. widersprach: „Sie saßen in meiner Wohnung am Tisch, sie sahen sich häufiger.“ D. habe versucht, für Hatun und ihren Sohn Can eine Flucht und Arbeit in Süddeutschland zu organisieren. „Da wurde Hatun bereits von ihren Brüdern bedroht.“

Über den Verein aber wusste die Zeugin kaum Konkretes. „Was war mit dem Auto?“ fragte der Richter. „Habe ich nie gesehen – D. hat auch keinen Führerschein.“ Frauen, denen der Verein nach Schilderungen von D. angesichts drohender Zwangsehe oder Gewalt half, sah sie nie. „Mich hat das alles psychisch sehr belastet“, sagte die Zeugin. Dass der Verein eine halbe Million Euro bekommen hatte, will sie Udo D. nicht geglaubt und nicht weiter danach gefragt haben. Ist er ein Betrüger? „Ich kann es mir das nicht vorstellen“, sagte Gülsah S. vor dem Gerichtssaal. „Er ist hilfsbereit, vielleicht ein bisschen chaotisch.“ Der Prozess geht Mittwoch weiter.

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