Bewährungsstrafe : Polizisten raubten Zigaretten

Zwei Polizeibeamte sind zu je zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Sie haben illegale Zigarettenhändler beraubt. Das Urteil fiel milde aus.

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Eigentlich sollten die Polizeibeamten in Köpenick Fahrräder kontrollieren. Zwei der sechs Uniformierten aber nahmen bei dem Einsatz vor einem Jahr auch zwei vietnamesische Zigarettenhändler ins Visier – und wurden selbst kriminell. Jens R. und sein Kollege Fabian R., 32 und 40 Jahre alt, raubten die illegale Ware der Verkäufer. Es waren mindestens 1160 Zigaretten, rund fünf Stangen, für die sie nun ihren Beruf verlieren werden. Das Landgericht verurteilte sie am Dienstag zu je zwei Jahren Haft auf Bewährung.

„Die Taten waren im hohen Maße verwerflich“, sagten die Richter. Die Angeklagten zeigten keine Reaktion. Sie hatten zuvor pauschal und mit jeweils einem Satz die Vorwürfe gestanden. Den Geständnissen waren längere Gespräche mit Gericht und Staatsanwaltschaft vorausgegangen. Warum es auf dem Parkplatz eines Supermarktes und etwa drei Stunden später am S-Bahnhof zu den Überfällen kam, erklärten sie nicht. Schweigsam sollen sie sich auch im Ermittlungsverfahren verhalten haben. Gegen eine zunächst ausgesprochene Suspendierung allerdings hatten sie sich Angaben zufolge erfolgreich gewehrt. Bis zum Prozess waren sie im Dienst.

Jens R. und Fabian R. hatten die Schwarzhändler verfolgt, als diese angesichts der Uniformen flüchten wollten. Die beiden bewaffneten Beamten legten ihnen Handschellen an und nahmen ihnen die unverzollte Ware ab. Dann ließen sie die Vietnamesen laufen, ohne deren Identität festzuhalten und Ermittlungsverfahren einzuleiten. Ihren Kollegen heuchelten sie ordnungsgemäßes Abfragen vor. Ein Beamter schöpfte Verdacht und brachte das Verfahren ins Rollen.

Das Urteil fiel milde aus. In einem ähnlichen Strafverfahren war ein ehemaliger Polizeihauptmeister zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Gegen einen mitangeklagten Polizeimeister waren drei Jahre und neun Monate verhängt worden. Sie hatten zwölf Vietnamesen ausgeraubt. Im jetzigen Prozess ging das Gericht von minderschweren Fällen aus – „mit Bauchschmerzen“, hieß es im Urteil. Berücksichtigt wurden vor allem die Geständnisse und die Tatsache, dass die Familienväter bei Rechtskraft des Urteils ihre berufliche Stellung verlieren. Bis zum Schluss zeigten sich die Angeklagten wortkarg. Ein Satz aber rutschte dem Jüngeren raus: „Das Finale habe ich mir anders vorgestellt.“ K.G.

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