Update

Bilanz von Sturm "Felix" in Berlin : S-Bahnverkehr vom Winde verweht

Umgestürzte Bäume, herabgewehte Äste - die Folgen des Sturms waren in der ganzen Stadt nicht zu übersehen. Die S-Bahn verkehrte bis zum Nachmittag teilweise unregelmäßig. Und der Wetterdienst warnte schon wieder vor neuen Böen bis Montagfrüh.

von , , , , und Melanie Berger
Aus dem Gleis. Zwischen den Stationen Tempelhof und Südkreuz fuhr ein S-Bahnzug gegen umgestürzte Bäume.
Aus dem Gleis. Zwischen den Stationen Tempelhof und Südkreuz fuhr ein S-Bahnzug gegen umgestürzte Bäume.Foto: Björn Kietzmann

Bis zum Sonntagnachmittag traf die neue Sturmfront überwiegend nur den Süden der Stadt. Die Feuerwehr zählte zwischen 7 Uhr und 17 Uhr etwa 172 Wetter-Einsätze, darunter aber nichts Dramatisches, wie es in der Leitstelle hieß. Gegen 19 Uhr hatte sich die Lage beruhigt. Zwar waren zwischenzeitlich einige Freiwillige Feuerwehren in den Dienst gerufen worden, sie hatten aber nicht viel zu tun und wurden am Abend wieder nach Hause entlassen. Anders als am Sonnabend, als eine massive Schlechtwetterfront über Berlin und Brandenburg zog, waren es am Sonntag nur vereinzelte Wolkengebiete. Allerdings warnte der Deutsche Wetterdienst am Nachmittag zusätzlich vor vereinzelten Gewittern, diese trafen Berlin aber bis 17 Uhr nicht.

Auf der Scharfen Lanke allerdings kenterte ein Boot, drei Menschen wurden gerettet. Einer kam mit Verdacht auf Unterkühlung in ein Krankenhaus

"Es weht weiter", hatte es am Vormittag in der Feuerwehr-Leitstelle geheißen. Zwischen 7 Uhr und 11 Uhr gab es bereits wieder 50 wetterbedingte Einsätze in Berlin. Für 13 bis 14 Uhr erwarte der Wetterdienst eine weitere Schauerfront mit Sturmböen, hieß es in der Leitstelle weiter. Tatsächlich gilt für Berlin-Brandenburg beim Deutschen Wetterdienst DWD erneut die Warnstufe orange. "Es treten wieder zunehmend Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 65 und 85 km/h (Stärke 8 bis 9) um West auf. In Schauern und möglichen Gewittern sind auch einzelne schwere Sturmböen bis 100 km/h (Stärke 10) möglich."

Auch die S-Bahn hatte am Sonntag weiter mit den Folgen der Sturmböen von Samstagnachmittag zu kämpfen. Auf den Linien S 25, S 41/42, S 45, S 46, S 47 und S 7 lief der Betrieb unregelmäßig - wegen der Beseitigung der Unwetterschäden. 16 Fahrzeuge waren am Sonnabend beim Sturm beschädigt worden. Bis zum Nachmittag normalisierte sich der Betrieb schrittweise.

Bilder des Sturms: Abgedeckte Schulen, fliegende Weihnachtsbäume
Schwer getroffen. Der Fahrer dieses Autos wollte ausparken, als der Baum umstürzte.Weitere Bilder anzeigen
1 von 20Foto: Lorenz Maroldt
11.01.2015 15:21Schwer getroffen. Der Fahrer dieses Autos wollte ausparken, als der Baum umstürzte.

Der Deutsche Wetterdienst warnt derweil weiter vor Unwetter: Bis Montag früh ist mit Sturmböen zu rechnen, die 75 bis 80 Kilometer je Stunde erreichen können, in Schauernähe sogar 90 km/h oder mehr. zum Vergleich: Die höchste Windgeschwindigkeit wurde am Sonnabend in Neuruppin mit 119 km/h gemessen, Spitzenreiter im Hauptstadtraum war Schönefeld: 104 km/h. Nachdem es am Sonnabend relativ mild war, müssen Autofahrer zudem mit Straßenglätte durch Schnee und Graupel rechnen.

Zu einem ernsteren Zwischenfall war es am Sonnabend auf dem Südring der S-Bahn gekommen, als ein Zug der Linie S45 zwischen Tempelhof und Südkreuz gegen einen auf die Strecke gestürzten Baum fuhr. Personen kamen nicht zu Schaden, doch entgleiste ein Waggon teilweise, auch wurde die Stromschiene beschädigt. Auch die Bahn- und S-Bahnstrecke parallel zur Avus war betroffen. Bei Nikolassee wurde ein S-Bahnzug auf freier Strecke durch einen umgestürzten Baum gestoppt, 250 Fahrgäste mussten aus dem Zug geholt werden. Auch die Oberleitung der Bahn wurde auf 600 Metern beschädigt. Um die Strecke nach weiteren möglichen Schäden absuchen zu können, wurde ein Hubschrauber der Bundespolizei angefordert. Auch die Avus war zeitweise blockiert, weil ein Baum die Fahrbahn blockierte.

Auch der Fernverkehr war betroffen: Um 17 Uhr stellte die Bahn die Fahrten zwischen Berlin und Hamburg für Stunden ein. Auch nach Aufhebung der Sperrung gab es zunächst keinen regulären Fahrplan. Zusätzlich wurden zwischen den Städten Busse eingesetzt.

Schwer getroffen. Der Fahrer dieses Autos wollte ausparken, als der Baum umstürzte.
Schwer getroffen. Der Fahrer dieses Autos wollte ausparken, als der Baum umstürzte.Foto: Lorenz Maroldt

Und wie sah die Bilanz der Feuerwehr aus? Sie zählte etwa 300 Einsätze mehr als gewöhnlich, die es vor allem im westlichen Teil der Stadt gab. Um 16.47 Uhr war wetterbedingt der Ausnahmezustand ausgerufen worden, etwa 500 Ehrenamtliche der Freiwilligen Wehren sollten die Berufsfeuerwehr wie schon am Freitag unterstützen.

Das wohl folgenschwerste Unglück in der Region ereignete sich in Kleinmachnow, wo ein Spaziergänger von einem umstürzenden Baum getroffen wurde. Der 56-Jährige kam schwer verletzt ins Krankenhaus, auch am Sonntag bestand weiterhin Lebensgefahr. Bei einem Unfall in Werder gab es drei Verletzte, als ein Auto auf ein Auto krachte. Bei Templin wurden ein 19-Jähriger und eine 16-Jährige nur leicht verletzt, ihr Auto aber wurde total zerstört. als ein Baum die Motorhaube traf.

In Mitte stürzte am Köllnischen Park ein Baum auf einen Pkw, dessen Besitzer zum Glück fast nichts passierte. Der Baum wurde nicht entwurzelt, sondern in Bodennähe einfach umgebrochen, wohl aufgrund verborgener Fäule. Der Stamm begrub das Heck des Wagens unter sich. Hätte der Baum den Wagen weiter vorn getroffen, wäre der Fahrer schwer verletzt, wahrscheinlich sogar getötet worden. Er selbst kam mit leichten Blessuren in ein Krankenhaus, am Wagen entstand Totalschaden.

43 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben