Polizei & Justiz : Blitzschlag überlebt

Wieder wurde ein Berliner getroffen Auch gestern war die Feuerwehr im Großeinsatz

Ein Verletzter und ein Dachstuhlbrand durch Blitzschlag, erneut umgestürzte Bäume, herabgebrochene Äste, zahlreiche überflutete Keller und Beeinträchtigungen im Bahn- und Flugverkehr: Auch in der Nacht zum Dienstag und im Verlauf des gestrigen Tages waren Feuerwehr und Polizei sowie die Bahn und Flughäfen wieder zeitweise im Ausnahmezustand. Kurz vor dem Unwetter am Dienstagnachmittag gegen 16 Uhr versetzte die Branddirektion rund 900 Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft und mobilisierte zusätzlich die Freiwilligen Wehren. Es war der vierte Großeinsatz wegen eines Unwetters seit dem vergangenen Freitag. In den kommenden Tagen dürfte es allerdings wieder ruhiger werden: Laut Wettersdienst MeteoXpress sind keine weiteren Gewitter im Anzug, zur Wochenmitte soll sich das Wetter aufheitern.

Die schwersten Gewitterunfälle ereigneten sich in der Nacht zum Dienstag und am gestrigen Nachmittag. Laut Polizei wurde ein 35-jähriger Mann kurz nach Mitternacht in Charlottenburg durch einen Blitzschlag verletzt. In der Kaiser-Friedrich-Straße entdeckten ihn Feuerwehrmänner, als er „benommen und verwirrt“ in Richtung Schillerstraße taumelte. Er war barfuß, sein weißes T-Shirt wies am Rücken einen dunklen Fleck auf. Ein Notarzt stellte fest, dass der Mann offenbar am Rücken durch einen Blitz Verletzungen erlitten hatte.

Allerdings ist es aus Sicht von Experten äußerst unwahrscheinlich, dass ihn ein Blitz direkt getroffen hat. Ein solcher Unfall endet in der Regel tödlich. Möglicherweise fuhr der Stromschlag aber in unmittelbarer Nähe des Mannes in den Boden und wurde in der Erde zu ihm weitergeleitet. So war es nach Einschätzung von Unfallärzten vor einer Woche einer Mutter mit ihrem Kind in Marzahn ergangen. Die 32-Jährige und ihr siebenjähriger Sohn wurden nach einem Gewitter bewusstlos auf der Straße von Passanten entdeckt. Schlimmer traf es am Sonntag drei Bauarbeiter im brandenburgischen Werbig. Wie berichtet, wurden sie durch einen Blitzschlag getötet, nachdem sie unter einem Bagger Schutz gegen das Unwetter gesucht hatten. Nur ihr Chef überlebte. Die Justiz hat inzwischen ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet und prüft auch, ob der Chef eine Mitschuld trägt.

Keine Verletzten, aber hohen Schaden gab es gestern bei einem Blitzeinschlag in den Dachstuhl eines vierstöckigen Mietshauses an der Klaustaler Straße in Pankow. Der genaue Hergang war am späten Abend noch unklar. Das Feuer war nach einer Stunde gelöscht. Nun wird geprüft, ob das Gebäude keinen Blitzableiter hatte.

Ansonsten musste die Feuerwehr gestern Nachmittag vor allem im Süden Berlins hunderte Keller auspumpen und geparkte Autos von heruntergebrochenen Ästen befreien. Mit den Folgen eines größeren Wasserschadens hatten gestern die Mitarbeiter der Philologische Bibliothek der Freien Universität (FU) in Dahlem zu tun. Bei dem ersten Unwetter vor Pfingsten hatte Nässe die Brandmeldeanlage geschädigt, so dass diese Fehlalarm gab. Automatisch öffneten sich dadurch während des Regensturzes die großen Dachfenster, um den Rauchabzug zu gewährleisten – und ließen sich manuell nicht sofort schließen. Bücher wurden geschädigt, das Ausmaß war gestern noch unklar.

Bei der Bahn schädigte ein Blitz am Dienstagnachmittag das Stellwerk Grünau. Der Regionalexpress zwischen Königs Wusterhausen und Ostbahnhof sowie die Regionalbahn zwischen Schönefeld und Ostbahnhof fielen dadurch für mehrere Stunden aus. Im Flugverkehr mussten vier Maschinen, die gestern während des Unwetters in Tegel landen wollten, nach Schönefeld oder Leipzig umgeleitet werden. Dort tobten Wind und Regen etwas weniger. Verspätungen beim Abflug von bis zu einer Stunden waren in Tegel die Folge.

Dass seit Pfingsten ein Unwetter nach dem anderen über Berlin hereinbrach, lag an „Ewald“, einem Tiefdruckgebiet im Süden Deutschlands. Dieses prallte mit einer Luftströmung aus dem Mittelmeer zusammen, die feuchte und sehr warme Winde heranbrachte. Seit Dienstag verlagert sich Ewald aber nach Nordosten und macht einer kühleren Strömung aus dem Ostseeraum Platz. CS/ddp

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