Bluttat in Charlottenburg : Dieb stach mehrmals auf Polizisten ein

Ein Zivilpolizist liegt schwer verletzt in der Klinik - er wollte einen Dieb festnehmen. Doch der zückte ein Messer und stach zu. Seine Beute: eine Kamera. Kollegen des verletzten Beamten konnten den mutmaßlichen Messerstecher fassen.

Tanja Buntrock

Ein Zivilpolizist ist bei einem Einsatz am Dienstagvormittag in Charlottenburg niedergestochen worden. Lebensgefahr besteht nach ersten Erkenntnissen nicht. Der 42-jährige Polizeikommissar wurde ins Krankenhaus Westend gebracht. Der mutmaßliche Täter (30) konnte von den Kollegen des Kommissars überwältigt werden. Ein zweiter Mann, der zuvor sein Komplize bei einem Diebstahl gewesen sein soll, war bis zum späten Abend noch flüchtig.

Es war gegen 11.30 Uhr, als die Zivilstreife über Funk benachrichtigt wurde, dass sich zwei mutmaßliche Diebe in einem Wohnhaus in der Sophie-Charlotte-Straße verstecken. Die beiden Männer waren zuvor von der Hauswartsfrau der Wohnanlage beobachtet worden: Sie habe gesehen, wie die Männer sich an einem Handwerker-Pritschenwagen auf dem Parkplatz zu schaffen gemacht hatten. „Einer der Männer holte eine Kamera heraus“, schildert Iris Sch. Danach seien der mutmaßliche Dieb und der zweite Mann „seelenruhig in das Wohnhaus Nummer 105h gegangen“, sagt die Hauswartsfrau. Sie habe daraufhin den Handwerkern ihre Beobachtung geschildert. Als zufällig eine Kontaktbereichsbeamtin (KOB) die Straße entlangkam, meldete ein Handwerker ihr den Diebstahl. Gemeinsam seien die Polizistin, der Handwerker und die Hauswartsfrau in das Haus gegangen und hätten bei dem mutmaßlichen Täter an der Haustür im ersten Stock geklopft. Er habe sogar geöffnet. „Doch dann knallte er sofort die Tür zu, als er die Polizistin in Uniform sah“, sagt Iris Sch. Die Beamtin rief daraufhin über Funk Verstärkung.

Deshalb eilten kurze Zeit später die Zivilstreife und weitere Funkwagen herbei. Da der mutmaßliche Täter nicht öffnen wollte, brachen die Beamten die Tür auf. „Der Täter stach dem Zivilbeamten, der zuerst in der Wohnung war, mehrmals in den Oberkörper“, sagte ein Polizeisprecher. Seine Kollegen überwältigten den Angreifer. Den Komplizen, der zuvor bei dem Diebstahl aus dem Pritschenwagen dabei gewesen sein soll, fanden die Polizisten nicht in der Wohnung. Die 5. Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen.

Der 30-Jährige soll wegen versuchten Mordes einem Haftrichter vorgeführt werden. Ob der verletzte Polizist eine Schutzweste getragen hatte, werde derzeit noch geprüft. Im vorigen Jahr wurden 678 Polizisten im Einsatz angegriffen und verletzt. Die Polizeibehörde erklärte gestern, „jeder operativ tätige Mitarbeiter“ verfüge über eine Schutzweste. Selbstbeschaffte Westen würden mit maximal 800 Euro bezuschusst. Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Klaus Eisenreich, sagt dagegen: „Wir hören immer wieder von Kollegen, die keine Schutzweste bekommen haben.“

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