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Bombenfund in Schmargendorf : Russische Fliegerbombe bei Bauarbeiten entdeckt

In Berlin-Schmargendorf ist bei Bauarbeiten eine 500 Kilo schwere, russische Weltkriegsbombe gefunden worden. Das hat Folgen für die Anwohner - sie müssen ihre Wohnungen verlassen.

von und Moritz Herrmann
Immer wieder werden in Berlin Blindgänger gefunden, wie hier im September 2013 in Schmargendorf eine 500 Kilo schwere, russische Weltkriegsbombe.Alle Bilder anzeigen
Foto: dpa
26.09.2013 15:26Immer wieder werden in Berlin Blindgänger gefunden, wie hier im September 2013 in Schmargendorf eine 500 Kilo schwere, russische...

Das Baugrundstück ist mit zwei Meter hohen Zäunen abgesperrt. Dahinter stehen zwei Bagger. Still und verlassen. Vor dem Zaun steht ein Streifenwagen der Polizei, zwei Beamten sitzen darin, die rechte Fahrertür haben sie offengelassen, falls jemand nachfragt.

Doch bislang fragen nur Journalisten nach. Denn hier in der Schmargendorfer Hubertusallee wurde am Donnerstagmittag eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe russischen Fabrikats gefunden, bei Bauarbeiten zu einem Einfamilienhaus in Höhe Herthastraße.

Der Kampfmittelräumdienst hat die Situation bereits geprüft, heißt es bei der Polizei. Die Spezialisten hätten entschieden, dass die Bombe erst am kommenden Montag entschärft wird, sagt ein Sprecher. Der Grund: In der Umgebung befinden sich viele ältere Menschen in Alten- und Pflegeheimen. „Die kann man nicht einfach ganz schnell mal irgendwo anders unterbringen", sagt der Sprecher. Hierzu bedürfe es einer Koordination mit der Feuerwehr, die die Transporte mit dem Krankenwagen macht. Zudem müssten Unterkünfte für die Betroffenen organisiert werden.

Weltkriegsfund unter ständiger Bewachung

„Die Bombe selbst ist sicher und stellt keine Gefahr dar, so lange daran nicht herum geschraubt wird", sagt der Polizeisprecher. Damit nichts passieren kann, werde der Weltkriegsfund aber ab sofort bis Montag bei Tag und Nacht bewacht.

Die Polizisten sind mittlerweile aus dem Streifenwagen gestiegen. Sie haben seit 15 Uhr Dienst. „Ich habe keine Ahnung, wie lange wir hier heute hier stehen werden“, sagt einer von ihnen. „Aber es darf auf keinen Fall jemand durch.“

Grafik: TSP

Ein Anwohner findet das Ganze sogar witzig. „Ist schon toll, so eine ständige Bewachung“, sagt er: „Und das obwohl am Wochenende auch noch Marathon ist, so viele Polizisten hat Berlin doch gar nicht. Und das alles wegen einem Bömbchen.“ Ein Spaziergänger mit Hund, der gerade vorbeischlendert, stimmt ihm zu. „Was, ’ne Bombe. Dolles Ding. Da steht hier ja bald alles still. Ich wohne glücklicherweise ein wenig weiter oben – in Charlottenburg. Führe hier nur meinen Hund aus.“

Sorge im Seniorenklub

Im Seniorenklub gegenüber der Fundstelle hat Leiterin Eva-Christine Carpentier allerdings schon ein paar Sorgen. Wenn am Montag komplett dicht gemacht werden müsse, entfallen mindestens 20 Kurse, sagt sie. Das beträfe rund 200 Leute: „Außerdem müssen wir alle Dozenten und Kursleiter einzeln anrufen und das kommunizieren, damit sind wir den ganzen Freitag und Samstag beschäftigt. Aber anders geht es wohl nicht. Die Polizei hat uns gesagt, dass wir leider noch im Einzugsgebiet liegen.“

Noch gar keine Information haben die Bewohner des Studentenhotels, das noch näher als der Seniorenklub an der Fundstelle liegt. „Die werden uns schon noch Bescheid geben“, sagt ein junger Mann. Er hat im Radio von dem Bombenfund gehört, auch davon, dass erst am Montag entschärft werden soll.

Laut Polizei müssen dann alle Häuser im Umkreis von 400 Metern evakuiert werden. Darunter befindet sich neben der Seniorenresidenz auch eine Schule. Spätestens am heutigen Freitag wird die Polizei mit der Schulleitung und den Verantwortlichen in den anderen Einrichtungen Kontakt aufnehmen, um die Evakuierungsmaßnahmen konkret abzusprechen, sagte ein Sprecher. Auch alle anderen betroffenen Anwohner würden über weitere Einzelheiten und zu Fragen, wie sie sich auf Montag vorbereiten sollten, von der Polizei unterrichtet.

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