Bombenopfer : Charlyn bekommt 24 Stunden klinikfrei

Als sie den Briefkasten öffnete, explodierte eine Bombe. Seitdem ist Charlyn im Krankenhaus, wurde mehrfach operiert. Jetzt darf sie erstmals für eine Nacht bei ihrer Familie bleiben.

Nadine Lantzsch
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Charlyn mit ihren Eltern beim Verlassen der Klinik -Foto: ddp

BerlinDie zwölfjährige Charlyn kann voraussichtlich Anfang Februar zurück zu ihrer Familie. Das Mädchen wurde am 26. November durch eine Briefbombe ihres Onkels Peter John lebensgefährlich verletzt und befindet seitdem im Unfallkrankenhaus Berlin. "Charlyn hatte Glück. Ihre Genesung ist außergewöhnlich", sagte ihr behandelnder Chefarzt Andreas Eisenschenk am Freitag.

Nach mehreren aufwändigen Operationen konnten die Ärzte den zerfetzten Arm des Kindes retten. Mittlerweile ist Charlyn wohlauf und absolviert täglich ein achtstündiges Programm aus Ergo-, Physio- und Sporttherapie sowie Krankengymnastik. Ab kommender Woche soll auch ein leichtes Schwimmtraining beginnen.

Außerdem bleibt Charlyn in psychologischer Behandlung, auch wenn sie beim gestrigen Pressetermin vor den anwesenden Journalisten aufgeweckt und fröhlich wirkte. Selbstsicher erklärte sie die Verletzungen an ihrem Arm und welche Finger sie bewegen kann. Über ihren Onkel wollte Charlyn allerdings nicht sprechen. Den Unglückstag habe sie längst vergessen. Mehr wolle sie auch nicht sagen. "Sie macht einen typischen Verdrängungsprozess durch", erklärte ihr Arzt. "Sie hat noch immer Einschlafstörungen und gelegentlich Alpträume. Aber Charlyn ist unglaublich stark. Sie steckt uns alle in die Tasche", fügte Charlyns Mutter Christine John mit einem Lächeln hinzu. Auf die Frage, wie die Zwölfjährige jetzt über ihren Onkel denke, sagte Vater Magnus: "Sie hasst ihn nicht. Hass war ihr schon immer zuwider."

Am Freitag durfte das Mädchen für einen Tag nach Hause zu ihren Eltern nach Rudow – Käsesuppe essen und mit den Geschwistern spielen. "Das habe ich ihnen nämlich versprochen", sagte Charlyn und grinste.

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