Boxerin Rola El-Halabi : Vater wegen Schüssen auf Tochter verurteilt

Der Adoptivvater der Profiboxerin Rola El-Halabi muss sechs Jahre in Haft. Am 1. April dieses Jahres hatte er seine Tochter vor einem WM-Kampf in Berlin schwer verletzt.

Die Profiboxerin Rola El-Halabi wird durch die Schüsse möglicherweise nie mehr in ihrem Beruf arbeiten können.
Die Profiboxerin Rola El-Halabi wird durch die Schüsse möglicherweise nie mehr in ihrem Beruf arbeiten können.Foto: dapd

Das Berliner Landgericht verurteilte den 44-Jährigen am Montag zu der Freiheitsstrafe, weil er seine Tochter am 1. April 2011 vor einem Weltmeisterschaftskampf in Berlin mit Schüssen in Hände und Beine schwer verletzt hatte. Der frühere Sportmanager war in die Kabine El-Halabis gestürmt und hatte sie niedergestreckt. Es ist unklar, ob die 26-Jährige je wieder boxen kann. Die Boxerin war zur Urteilsverkündung ins Gericht gekommen.

Der Adoptivvater hatte die Tat gestanden, aber bestritten, gezielt geschossen zu haben. Das Urteil erging wegen gefährlicher Körperverletzung.

Hinter dem Verbrechen steckt ein Familiendrama. Rola El-Halabi ist die Tochter von Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Libanon. Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hatte, lernte ihre Mutter in Ulm Hicham El-Halabi kennen, der das große Talent von Rola El-Halabi zum Boxen mit viel Ehrgeiz förderte. Der Stiefvater hatte angeblich nicht verwunden, dass Rola El-Halabi mit Mitte Zwanzig ihren ersten Freund hatte.

Den Freund soll er einmal mit der Faust geschlagen haben. Auch dieser Gewaltausbruch ist in die Anklage eingegangen, genauso wie die Schüsse auf zwei Sicherheitsmänner, die die Tür von Rola El-Halabis Kabine in Karlshorst bewachten. Hicham El-Halabi habe seine Stieftochter immer stark kontrolliert, sagt Jürgen Grabosch, der Trainer von Rola El-Halabi. Grabosch war mit in der Kabine, als Hicham El-Halabi mit gezogener Waffe hereinkam und „raus“ brüllte.

„Wenn einer mit der Pistole fuchtelt, geht man raus, ohne groß nachzudenken“, sagt Grabosch. Vor der Tür sah er einen Sicherheitsmann liegen, dem Hicham El-Halabi ins Bein geschossen hatte. Der zweite, ebenfalls angeschossene Sicherheitsmann sei schon weggebracht gewesen, sagt Grabosch. Sie wurden im Unfallkrankenhaus Marzahn notoperiert. El-Halabi hat sich am Tatort der Polizei ergeben und sitzt seitdem in Moabit in Untersuchungshaft.

Rola El-Halabi wurde ebenfalls nach Marzahn gebracht und später ins Bundeswehrkrankenhaus in Ulm verlegt. Mehrere Operationen hat sie hinter sich. Ob die Mittelhandknochen ihrer rechten Hand, ihrer Schlaghand, die der Stiefvater durchschossen hatte, so verheilen, dass sie wieder boxen kann, ist noch immer ungewiss. Jürgen Grabosch sagt, dass er nach wie vor einen Trainervertrag mit ihr habe, der Vertrag ruhe allerdings. „Es hängt auch davon ab, wie sehr sie das Verfahren mitnimmt, wann sie wieder zu trainieren beginnen kann.“ (Tsp/dpa)

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