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Brandstiftungen in Berlin : "Es kann theoretisch jeder sein"

Wieder haben Brandstifter in Berlin in einem Wohnhaus gezündelt. Nach den Bränden in Hellersdorf musste die Feuerwehr in Neukölln ausrücken. Was sind die Motive solcher Täter? Und was rät die Polizei Mietern?

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Noch einmal gut gegangen: Die Feuerwehr konnte einen brennenden Kinderwagen in einem Hellersdorfer Hausflur rasch löschen: Aufmerksame Mieter hatten die Feuerwehr alarmiert. Immer wieder sind Kinderwagen in Hausfluren das Ziel von Brandstiftern.Alle Bilder anzeigen
Foto: Andreas Meyer
27.10.2010 08:13Noch einmal gut gegangen: Die Feuerwehr konnte einen brennenden Kinderwagen in einem Hellersdorfer Hausflur rasch löschen:...

Immer wieder legen Brandstifter Feuer in Berliner Hauseingängen, Treppenhäusern und Kellern. Erst vor einer Woche waren wieder Kinderwagen in Treppenhäusern in Hellersdorf angezündet worden. An diesem Wochenende wurde die Feuerwehr in die Neuköllner Okerstraße unweit des Tempelhofer Feldes gerufen. Unbekannte Täter hatten einen Kellerverschlag im Vorderhaus in Brand gesetzt. Der Notruf ging am Sonntagabend gegen 21.50 Uhr ein. Die Feuerwehr hatte den Brand rasch unter Kontrolle, die Bewohner des Hauses wurden von den Einsatzkräften auf die Straße geführt und kamen mit dem Schrecken davon.

Zu welcher Klientel die Täter, die in Wohnhäusern zündeln gehören und was sie antreibt, dazu konnten sowohl Ermittler des Landeskriminalamtes als auch die Feuerwehr offiziell nichts sagen. "Es kann theoretisch jeder sein. Eine Aussage zur Täterstruktur wäre rein spekulativ", sagte ein Ermittler lediglich. Allerdings zeigten die Erfahrung und die Ergebnisse bereits aufgeklärter Fälle, dass fast alle Altersgruppen vertreten sind - die Motivation ist unterschiedlich.

So war es in der Moabiter Ufnaustraße im Jahr 2005 ein Junge, der aus Langeweile im Treppenhaus gekokelt und einen Kinderwagen angezündet hatte. Bei dem Feuer starben neun Mieter, weil sie durchs völlig verqualmte Treppenhaus fliehen wollten.

In anderen Fällen waren die Feuerleger "psychisch Gestörte", die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollten. Aber auch aus Hass auf Vermieter oder Nachbarn legen Brandstifter häufig Feuer in Keller oder Hausfluren. Jüngstes Beispiel ist der 60-jährige Horst Richard P., der in Verdacht steht, vor knapp zwei Wochen Feuer in mehreren Aufgängen eines Wohnhauses in der Weddinger Seestraße gelegt zu haben. Für seine Wohnung war an jenem Tag eine Zwangsräumung geplant: P. soll sowohl mit seinen Heizkosten- als auch mit seinen Mietzahlungen in Rückstand gewesen sein bei der Hausverwaltung.

"Fast immer ist es aber so, dass die Feuerleger das Material nicht mitbringen, um einen Brand zu entfachen. Sie bedienen sich meist der Gegenstände, die im Hausflur oder Keller herumstehen", sagte ein Ermittler. Daher sei es ratsam, dass die Nachbarn möglichst nichts in den Fluren lagern, was leicht zu entzünden ist. Darüber hinaus fordert die Polizei Berliner Mietern und Eigentümern, die Haus- und Durchgangstüren geschlossen zu halten und nicht bei jedem Klingeln arglos auf den Türöffner zu drücken.

 

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