Brutaler Angriff in Berlin : „Eine Frau lag voller Blut im Gesicht am Boden"

Drei 16- und 17-Jährige steigen aus dem Bus, als sie sehen, wie ein Mann sein Opfer - eine bekannte TV-Journalistin - mit Messer und Elektroschocker attackiert. Die Jugendlichen versuchten ihn zu stoppen: "Ist doch klar, dass wir da helfen müssen."

Tanja Buntrock

Die drei Jugendlichen zögerten nicht lang: Vom Oberdeck des Busses sahen sie, wie am Reichpietschufer in Tiergarten eine Frau blutend auf dem Boden lag und ein Mann sie mit einem Elektroschocker attackierte. An der nächsten Haltestelle stiegen die 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen aus, rannten zurück und warfen sich auf den Angreifer. Der Mann hatte bereits ein Messer gezückt – doch es gelang den dreien, ihn in die Flucht zu schlagen. Das Opfer, eine 43-jährige TV-Moderatorin und Journalistin, kam mit Gesichtsverletzungen und einem Schock ins Krankenhaus. Nach dem Angreifer fahndet die Polizei.

„Wir wollten shoppen gehen in der City“, erzählt Mohammed I. Der 17-Jährige saß mit seinen beiden Cousins Walid und Khalid (beide 16) am Mittwoch gegen 17 Uhr im BVG-Bus der Linie M 29. Sie hatten sich auf das Oberdeck gesetzt und sahen aus dem Fenster, als sie bemerkten, „dass da draußen was los war“, wie Mohammed erzählt. „Eine Frau lag voller Blut im Gesicht am Boden. Über sie war ein Mann mit einem Elektroschocker gebeugt. Ist doch klar, dass wir da helfen müssen.“

„Er rief um Hilfe und tat so, als wäre er das Opfer“

Die drei rannten sofort nach unten. Bis zur nächsten Bushaltestelle Hiroshimasteg war es nicht weit. „Wir liefen zurück zum Tatort, direkt auf den Mann zu. Er sah aus wie ein Verrückter: ganz in Schwarz gekleidet mit einem irren Blick und ganz wilden Bewegungen“, beschreibt Mohammed. Walid trat ihm gegen die Knie; „ich habe einen Stein genommen und ihm damit gegen die Brust gehauen“, sagt Mohammed. Der Mann ließ von der Frau ab und lief auf die Straße. „Er rief um Hilfe und tat so, als wäre er das Opfer“, sagt Mohammed. Der Fahrer eines Opel Vectra hielt an, ließ den von den drei arabischstämmigen Jugendlichen vermeintlich verfolgten Mann einsteigen und fuhr los. Die Jugendlichen merkten sich das Kennzeichen. Doch wie ein Polizeisprecher gestern sagte, sei der Täter nach mehreren hundert Metern ausgestiegen und zu Fuß geflüchtet.

„Ich habe die Frau gefragt, ob sie den Täter kannte, ob das ihr Ex-Mann war oder so. Aber sie meinte, sie hat den noch nie gesehen“, sagt Mohammed. Fotografieren lassen wollten sich die Jugendlichen, die Zivilcourage gezeigt hatten, gestern nicht. Die drei wurden bis zum Abend von der Kriminalpolizei befragt. Auch das Opfer, eine TV-Journalistin, ist schon vernommen worden. Sie befindet sich nach der ärztlichen Behandlung im Krankenhaus bereits wieder zuhause, hat aber immer noch starke Schmerzen. Auch sie wollte sich gestern nicht weiter zum dem Überfall äußern.

Motiv noch unklar

Ob es sich bei dem Täter um einen psychisch gestörten Mann handelt oder einen Straßenräuber, der lediglich auf die Wertsachen der Frau aus war, müsse ermittelt werden, hieß es bei der Polizei.

Doch möglicherweise gibt es auch einen anderen Hintergrund: Nach Tagesspiegel-Informationen kam die Journalistin gerade von einer Veranstaltung in der Friedrich-Ebert-Stiftung zurück, die sie moderiert hatte. Es ging um Fettleibigkeit bei Kindern. Die Polizei prüft, ob der Überfall möglicherweise mit der Veranstaltung in Zusammenhang steht.

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