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Brutaler Angriff in Zehlendorf : Polizei vermutet gezielte Tat

Der Radiomanager Stephan H. ging nachts mit den Hunden kurz im Kiez spazieren. Vor der Tür wurde er niedergeprügelt – aber offenbar nicht ausgeraubt.

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Der Tatort liegt nur wenige Meter vom Garten seiner Villa entfernt. Hier, auf dem kleinen Verbindungsweg zwischen Martin-Buber-Straße und dem Parkplatz des Rathauses Zehlendorf, ist in der Nacht zu Mittwoch der ehemalige Moderator und Programmchef des Radiosenders 94.3rs2 niedergeschlagen worden. Auch am Donnerstag ist noch zu sehen, wo die Tat geschah: Die Blutflecken wurden von der Polizei mit Sand überdeckt, Reste des Absperrbandes der Spurensicherung flattern im Wind. Eine Anwohnerin sagt: „Schrecklich ist das. Hoffentlich überlebt er das.“

Stephan H. liegt mit seinen schweren Kopfverletzungen auf der Intensivstation. Allerdings soll er außer Lebensgefahr sein. Das Opfer, das als Coach und Berater für Radiosender tätig ist, sei aber noch nicht vernehmungsfähig, teilt die Polizei mit. Die Ermittler der Mordkommission hoffen, dass sie ihn demnächst befragen können, denn die Tat wirft viele Fragen auf; das Motiv sei völlig unklar. Geraubt worden ist ihm nach ersten Erkenntnissen nichts. War es ein gezielter Angriff? Eine „Beziehungstat“? Ein Racheakt? „Wir ermitteln in alle Richtungen“, so ein Polizeisprecher.

Bislang ist den Ermittlern so viel bekannt: Der Mann geht – wie üblich – am Dienstag gegen kurz vor 23 Uhr noch einmal raus, um vor dem Schlafengehen die beiden Hunde auszuführen. Von der Martin-Buber-Straße biegt der Familienvater in den kleinen Verbindungsweg Richtung Rathaus ein und wird dort einige Meter weiter brutal niedergeschlagen. Der oder die Täter schlagen offenbar mit einem harten Gegenstand so heftig zu, dass der Mann am Kopf sehr schwer verletzt wird. H. bleibt danach regungslos am Boden liegen. Der oder die Täter entkommen unerkannt.

„Möglicherweise waren der oder die Angreifer davon ausgegangen, dass der Mann tot ist und ließen dann von ihm ab, um zu flüchten“, sagt ein Ermittler, „er hat Glück gehabt, dass er überlebte.“ Vieles deute zumindest zum jetzigen Zeitpunkt darauf hin, dass jemand versucht hat, H. umzubringen.

Stephan Hampe (Archivbild von 2005)
Stephan Hampe (Archivbild von 2005)Foto: Kai-Uwe Heinrich

Als er vom Gang mit den Hunden – angeblich einem Border Collie und einem Sheltie – nicht zurückkehrt, macht sich seine Ehefrau Sorgen und läuft die bekannte Strecke im Kiez ab, um ihn zu suchen. Sie findet ihren Mann schließlich blutüberströmt auf dem Gehweg und alarmiert die Polizei und Feuerwehr. H. wird in ein Krankenhaus gebracht und dort sofort notoperiert; die Polizei sichert Spuren am Tatort in Zehlendorf.

Die Anwohnerin, die am Donnerstagmorgen am Tatort vorbeikommt, hat ebenfalls ihren Hund dabei. „Ich kenne den Mann, weil wir uns immer beim Spazieren mit den Hunden hier begegnet sind“, erzählt sie. Die Ecke sei zwar dunkel, „aber eigentlich ungefährlich“. Unterwegs seien nachts um diese Zeit außer Hundebesitzern selten andere Leute. „Ich habe bislang keine Sorgen gehabt, aber jetzt meide ich den Weg. Man weiß ja nie, ob so etwas nicht doch noch einmal passiert. Ich frage mich, ob er wohl Feinde hatte, die ihm das angetan haben“, sagt die Rentnerin.

Ein Bekannter des Opfers, der selbst im Radiogeschäft tätig ist, sagt, er könne sich überhaupt nicht vorstellen, dass Stephan H. mit irgendwem verfeindet ist oder etwa in gefährliche Geschäfte verwickelt war. „Ich kenne ihn nur als ausgesprochen ruhigen, sanftmütigen Mann. Der ist auch im Job nie laut geworden“, beschreibt er. H., der in Schleswig-Holstein aufgewachsen ist und dort seine Radiokarriere begonnen hat, Klavier spielt und im Chor singt, sei seiner Meinung nach etwas, was man einen „Pazifisten“ nennt. „Nicht nur dem Anschein nach, sondern so, wie er lebt.“

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