Bund umwirbt Berliner Polizisten : Kandt wehrt sich gegen Beamten-Raub

Berliner Polizisten haben einen harten Job und werden schlecht bezahlt. Andere Behörden haben viele freie Stellen. Nun wehrt sich der Polizeipräsident gegen Abwerbungen.

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Helm auf an fast jedem Wochenende. Berliner Polizisten sind vor allem durch Demos im Stress. Viele wollen deshalb woanders arbeiten.
Helm auf an fast jedem Wochenende. Berliner Polizisten sind vor allem durch Demos im Stress. Viele wollen deshalb woanders...Foto: Jörn Hasselmann

Polizeipräsident Klaus Kandt will seine Beamten nicht hergeben. In einer Mail an alle Mitarbeiter teilte Kandt jetzt mit, dass „insbesondere Bundesbehörden versuchen, Mitarbeiter der Polizei Berlin abzuwerben“. Und zwar in großem Stil: Das Präsidium sehe sich „gegenwärtig mit zahlreichen Versetzungsanträgen konfrontiert“. Bereits im August hatte der Tagesspiegel berichtet, dass alleine der Verfassungsschutz des Bundes 33 Berliner Polizisten abwerben wolle, zum Teil auch per „Raubernennung“. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte diese „Kannibalisierung“ kritisiert, die die Sicherheit in Deutschland schwäche.

Kandt teilte in seiner Mail nun mit, dass zwei Beamte räuberisch, also ohne Zustimmung abgeworben wurden. Wenn Beamte ihren Dienstherren wechseln wollen, müssen beide Seiten zustimmen und ein Tauschpartner organisiert werden. Dem Vernehmen nach hat Henkel Anfang September mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) telefoniert. Kandt schrieb nun: „Ich gehe davon aus, dass der Bundesinnenminister auf weitere Raubernennungen verzichtet.

Doch die Not ist groß

Angesichts steigender Terrorgefahr suchen alle Sicherheitsbehörden Deutschlands dringend Personal. Gerne werden fertig ausgebildete Beamte genommen. Angesichts der schlechten Bezahlung ist die Wechselbereitschaft unter den gut 16.000 Berliner Polizisten im Vollzugsdienst nicht gering. „Nicht allzu überraschend bei einem Monatsgehalt weniger pro Jahr“, kommentierte der frühere Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Andy Neumann, am Freitag per Twitter.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte weitere Gründe: „Unendlicher Mehrdienst, keine freien Wochenenden, Bedrohung bis in den Privatbereich.“ Beliebt sind deshalb auch Stellen außerhalb der Polizei. Ein Leitender Beamter aus dem Präsidium ist seit einigen Monaten stellvertretender Bürgermeister einer Kleinstadt im Berliner Umland.

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