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Bundesfinanzministerium : Griechische Untergrundorganisation bekennt sich zu Briefbombe

Die linksautonome Organisation "Konspiration der Feuerzellen" will die Briefbombe in das Bundesfinanzministerium geschickt haben. Spezialisten hatten das Paket am Mittwoch kontrolliert gesprengt.

Das Bundesfinanzministerium in der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte.
Das Bundesfinanzministerium in der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte.Foto: imago/Hohlfeld

Die griechische linke Autonome Untergrundorganisation „Konspiration der Feuerzellen“ will die Briefbombe an die Poststelle des Bundesfinanzministeriums geschickt haben. „Wir übernehmen die Verantwortung für die Entsendung der Paket-Attrappe an den Finanzminister Deutschlands“, hieß es in einer Erklärung der Autonomen im Internet vom Donnerstag.

Die Berliner Polizei konnte sich dazu am Donnerstagmittag gegenüber dem Tagesspiegel noch nicht äußern. Die Autonomen erklärten sich in der Mitteilung solidarisch mit in Griechenland verurteilten Mitgliedern ihrer Organisation sowie anderer gleichgesinnter Organisationen im Ausland. 

Zünder und explosives Gemisch werden untersucht

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen des Athener Bürgerschutzministeriums erfuhr, erwarten die Experten in Griechenland Informationen aus Berlin darüber, wie Sprengstoff und Zünder miteinander verbunden waren. Dies würde Hinweise darauf geben, ob zum Beispiel tatsächlich die Untergrundorganisation „Konspiration der Feuerzellen“ die Sendung verschickt haben könnte.

Am Mittwochmorgen war in der Poststelle des Berliner Bundesfinanzministeriums ein Paket mit einem explosiven Gemisch und scharfem Zünder entdeckt worden. Das sogenannte Blitzknallgemisch hätte laut Polizei beim Öffnen zu erheblichen Verletzungen führen können. Das Paket wurde nach Angaben der griechischen Regierung in Athen verschickt worden, als Absender wurde der stellvertretende Chef der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) genannt.

Sprengsatz an Schäuble geschickt

Mitarbeitern in der Poststelle fiel das Paket beim Röntgen auf. Den Zünder entschärften Sprengstoff-Spezialisten noch in der Poststelle, den Rest des Pakets machten sie auf einem Sprengplatz der Polizei in Grunewald unschädlich. Verletzt wurde niemand. Ob das Paket an Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) adressiert war, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Die „Bild“-Zeitung und die „B.Z“ berichteten, es sei direkt an den Minister adressiert gewesen.

Am Abend berichtete eine Sprecherin der Ministeriums für Bürgerschutz in Athen, dass die deutschen Behörden mit den griechischen Kollegen Kontakt aufgenommen hätten. Nach ihren Angaben habe es sich nicht um ein Paket, sondern um einen dicken Umschlag gehandelt, als Absender habe der Name des stellvertretenden ND-Chefs Adonis Georgiadis auf dem Umschlag gestanden, sagte die Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Georgiadis bestätigte das über den Kurznachrichtendienst Twitter. „Es ist kein Witz, es ist leider wahr“, twitterte er. Der „Bild“-Zeitung sagte er: „Der oder die Terroristen haben wohl meinen Namen genommen, weil ich in Griechenland als Freund von Herrn Schäuble gelte.“

Nach Angaben der Polizei kann der im Bundesfinanzministerium entdeckte Stoff zur Herstellung von Pyrotechnik verwendet werden. Nach dem Fund mussten Mitarbeiter die Poststelle und umliegende Räume des Hauses nahe dem Potsdamer Platz umgehend verlassen.

Untergrundorganisation schickte bereits 2010 Paketbombe nach Berlin

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Briefbombe aus Athen verschickt wurde: Mitglieder dieser griechischen Untergrundorganisation, der „Konspiration der Feuerzellen“, hatten mehrere Paketbomben darunter auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel und den damaligen italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi verschickt. Sie waren im März 2011 in Athen festgenommen worden. (dpa/hgö)



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