Charlottenburg : 68-Jähriger starb in Polizeiauto

Ein Mann sitzt in Berlin-Charlottenburg betrunken auf einer Parkbank. Sanitäter beschließen aber ihn nicht ins Krankenhaus zu bringen, sondern lassen ihn von der Polizei abholen. Auf dem Weg zur Gefangensammelstelle stirbt der Mann.

Ein 68-jähriger Mann ist gestern in der Gefangenensammelstelle der Polizei gestorben. Zuvor hatte die Feuerwehr es abgelehnt, den Mann zur Ausnüchterung in ein Krankenhaus zu bringen. Eine Obduktion soll nun die Todesursache klären. Eine Passantin hatte Karfreitag gegen 15.30 Uhr die Retter alarmiert, weil sie sich um einen Mann sorgte, den sie in der Württembergallee in Charlottenburg auf einer Parkbank sitzend gesehen hatte. Er soll nicht ansprechbar gewesen sein, habe aber regelmäßig geatmet und geschlafen. Neben ihm lag eine teilweise geleerte Flasche Wodka. Die beiden Sanitäter des Rettungswagens prüften Kreislauf, Atmung, Puls und Schmerzreflexe und entschieden dann, dass der 68-Jährige nicht ins Krankenhaus müsse.

Stattdessen wurde der Mann mit einem Polizeiauto zur Gefangenensammelstelle an der Charlottenburger Chaussee gebracht. Am Ziel angekommen, verschlechterte sich der Zustand des Hilflosen nach Polizeiangaben. Der Schichtleiter der Gefangenensammelstelle habe deshalb erneut die Feuerwehr alarmiert. Eigene Sanitäter haben die fünf Sammelstellen der Polizei nicht. Doch der Notarzt der Feuerwehr konnte nicht mehr helfen, um 16.45 Uhr war der Deutsche tot. Wo der Mann den Karfreitag verbracht hatte, ist unklar. Seine Ehefrau hatte ihn am Donnerstagabend bei der Polizei als vermisst gemeldet.

Die Feuerwehr verteidigte gestern die Entscheidung der beiden Sanitäter, den Betrunkenen nicht ins Krankenhaus zu bringen. „Keine Klinik hätte uns den Mann zur Ausnüchterung abgenommen“, sagte ein Sprecher. Der Mann zeigte keine Anzeichen einer Alkoholvergiftung, seine Lage war stabil, und er war ansprechbar, sagte der Feuerwehrsprecher. So etwas komme täglich um die 100-mal vor. Üblicherweise werden Betrunkene zur Polizei gebracht.

Als einzige Stadt in Deutschland hat Hamburg eine „Zentralambulanz für Betrunkene“ (ZAB), die von der Feuerwehr geleitet wird. Jede Nacht werden dort bis zu 20 Volltrunkene abgegeben. Die ZAB war 1974 nach mehreren Todesfällen in Polizeizellen gegründet worden. Allerdings wurde in der ZAB vor einigen Jahren aus Kostengründen die Arztstelle eingespart. Nun ist die ZAB nur noch mit Sanitätern besetzt. (Ha)

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