Charlottenburg : Mieter zündete offenbar seine Wohnung an

Er brachte 27 Menschen in Lebensgefahr und vernichtete die Existenz seiner Familie. Ein Mieter soll am Sonntag in Charlottenburg seine eigene Wohnung angezündet haben.

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Schwarzer Rauch. Im Erdgeschoss eines achtgeschossigen Hauses in Charlottenburg-Nord war am Sonntagabend ein Feuer ausgebrochen.Alle Bilder anzeigen
Foto: Michael Hall
26.09.2011 18:03Schwarzer Rauch. Im Erdgeschoss eines achtgeschossigen Hauses in Charlottenburg-Nord war am Sonntagabend ein Feuer ausgebrochen.

Wenige Stunden nach dem Brand nahm die Polizei den 34-Jährigen fest. Bis zum Montagnachmittag wurde er von der Kriminalpolizei verhört. Noch am Abend sollte er einem Haftrichter wegen Brandstiftung vorgeführt werden.

Wie berichtet, war das Feuer am Sonntag gegen 19.30 Uhr in der Wirmerzeile 11 im nördlichen Teil Charlottenburgs ausgebrochen. Ein Bewohner musste mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus. 26 weitere Menschen musste die Feuerwehr aus dem siebenstöckigen Plattenbau retten. Mit Fluchthauben wurden sie vor dem Qualm zu geschützt, der bis zur obersten Etage hochgezogen war.

Am Montagvormittag sammelt sich eine Menschentraube vor der durch das Feuer völlig zerstörten Erdgeschosswohnung. Vor dem Fenster türmt sich ein Berg aus verkohlten Möbeln, Kleidung und Spielzeug auf. Bis zum zweiten Stockwerk ziehen sich die Rußschwaden. „Ich bin einfach nur froh, dass es keine Toten gab“, sagt ein Nachbar. Die anderen nicken.

Seit sechs Jahren soll der mutmaßliche Brandstifter  mit seiner Lebensgefährtin und dem Sohn in dem Haus gewohnt haben. Dass der Mieter selbst das Feuer gelegt haben soll, überrascht hier kaum jemanden. „Die haben sich ständig gestritten und rumgeschrieen, sagte eine Mieterin. Alle im Haus hätten gewusst, dass der 34-Jährige ein Alkoholproblem habe und oft gewalttätig gegenüber seiner Freundin geworden sei. Zuletzt habe er bei einem Wutanfall die Glastür des Hauses eingetreten. „Einmal hat er die Frau an den Haaren über die halbe Straße gezerrt“, sagt die Mieterin. „Ich verstehe nicht, warum die bei ihm geblieben ist“, fügt eine andere hinzu.

„Alles was wir hatten ist verbrannt“, sagt die völlig aufgelöste Lebensgefährtin des Tatverdächtigen.  Mit ihrem Sohn läuft sie durch die verkohlte Wohnung und sucht nach Gegenständen, die von den Flammen verschont geblieben sind. Beißender Rußgeruch liegt in der Luft. Im Wohnungsflur ist deutlich die Hitze zu spüren, die die aufgeheizten Wände immer noch abstrahlen. „Ich war mit meinem Sohn unterwegs“, sagt die blonde Frau, „als wir nach Hause kamen, brannte schon alles“. Mehr will sie nicht sagen. Zwei Mitarbeiterinnen der Wohnungsbaugesellschaft bieten der Frau an eine Ersatzwohnung oder einen Platz in einem Frauenhaus zu vermitteln.

„Wir haben uns furchtbar erschrocken“, erzählt eine Nachbarin, die im Haus gegenüber wohnt. Als sie wegen der vielen Schreie auf den Balkon trat, habe sie schon die Flammen gesehen. „Plötzlich gab es einen lauten Knall und die Fensterscheiben zersprangen.“

Aber nicht nur mit dem Feuer hatten die Anwohner zu kämpfen. Offenbar haben dreiste Diebe die Situation genutzt und eine Wohnung leergeräumt. „Als ich Abends in mein Zimmer kam, war alles durchwühlt“, sagte Emrah D. Als das Feuer ausbrach sei weder er, noch seine noch seine Mutter in der Wohnung gewesen. Die Feuerwehr habe die Tür aufgebrochen. Während der Löscharbeiten müssen die Diebe dann zugeschlagen haben. „iPhone, Laptop und Kamera“, sagt der 23-Jährige, „alles weg“. Ob ihm der Schaden ersetzt wird ist unklar. Eine Hausratsversicherung habe die Familie nicht. Grundsätzlich ist die Feuerwehr verpflichtet das Eigentum der Bewohner zumindest notdürftig zu sichern. Die Rettung der Anwohner hat aber absoluten Vorrang. Nach Feuerwehrangaben habe direkt nach dem Löscheinsatz ein Tischler begonnen die Türen im Haus zu reparieren - offenbar zu spät.

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