Diebstahl : Metalldiebe erbeuten wertvolles Kunstwerk

Aus der Hamburger Landesvertretung verschwand über Nacht eine 250 Kilo schwere Installation.

Auf dem Schrottplatz werden die Kunstdiebe eine böse Überraschung erleben. Denn die etwa 250 Kilo schwere Plastik, die sie in der Nacht zu Mittwoch aus der Hamburger Landesvertretung stahlen, besteht im Innern vor allem aus Beton. Und dafür gibt es kein Geld. Die vier Buchstaben, die das Wort „Zeit“ bilden, haben nach Angaben der Landesvertretung einen künstlerischen Wert von 70 000 Euro. Jeder Buchstabe ist etwa 1,50 Meter hoch und wiegt mindestens 80 Kilogramm. Der Beton ist lediglich mit Stahl und Bronze überzogen. Die Ermittlungen hat das Kunstkommissariat der Berliner Polizei übernommen. Dessen Chefin hält es für eher unwahrscheinlich, dass Kunstfreunde hinter dem spektakulären Diebstahl stehen. „Als Kunstwerk kann man das nicht verkaufen“, sagt Bärbel Groth-Schweizer. Angesichts der immens gestiegenen Preise für Altmetall sei ein ordinärer Diebstahl durch Schrottsammler wahrscheinlicher. Dass im Innern der Kunstbuchstaben Beton sei, dürften die Täter schlicht nicht gewusst haben, sagt die Kommissariatsleiterin. Die Installation „Zeit“ stammt vom Künstler Horst Hellinger (1946–1999). Sie wurde dem Land Hamburg im Jahr 2002 von der Witwe des Künstlers geschenkt.

Der Hof der Landesvertretung in der Jägerstraße in Mitte hat einen offenen Zugang zur Mauerstraße. Dort dürften die Täter – für einen sind die Teile zu schwer – das Kunstwerk auf einen Lkw gewuchtet haben, und zwar zwischen 23 Uhr und 8 Uhr früh. Die Kripo fragt jetzt, welchem Schrotthändler das Objekt angeboten wurde oder wer in der Tatnacht etwas gesehen hat (Hinweise: 46 64 94 54 08). Händler zahlen derzeit für eine Tonne Kupfer 4000 Euro, für eine Tonne Stahl 140 Euro. Wie berichtet, leidet vor allem die Bahn unter dem Kupferklau. Die Zahl der Taten hat stark zugenommen, Risiken scheuen die Täter kaum. So starb kürzlich ein Mann, ein zweiter wurde schwer verletzt. Beide hatten Leitungen gekappt, die unter Spannung standen.

Branchenvertreter betonten, dass von allen Anbietern die Personalien notiert und die Ware kontrolliert würde. Näher beschreiben wollte keiner der Händler gestern diese „Kontrolle“. Beim Brandenburger LKA hieß es, dass mittlerweile auch gegen Schrotthändler wegen Hehlerei ermittelt werde. In Berlin hatte kürzlich ein Dieb ein halbes Dutzend Gullydeckel bei einem Schrotthändler zu Geld machen können, die er zuvor aus Spandauer Straßen geklaut hatte. Dass dem Bulgaren die jeweils 40 Kilo schweren Roste überhaupt abgenommen wurden, sei völlig unverständlich, hieß es bei der Polizei. Die Angestellte einer Schöneberger Schrotthandlung formulierte es gestern so: „Das steht nicht auf den Sachen drauf, ob sie geklaut sind.“

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