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Disko in Berlin-Schöneberg : Schüsse auf Türsteher vor "Havanna"-Club

Aus einem Auto heraus haben Unbekannte am frühen Sonntagmorgen auf eine Disko in Schöneberg gefeuert. Zwei Männer kamen ins Krankenhaus. Die Hauptstraße war zeitweise gesperrt.

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Der Zugang zum Club am Morgen danach.
Der Zugang zum Club am Morgen danach.Foto: Felix Hackenbruch

Schüsse aus einem Auto vor einer Disko in der Schöneberger Hauptstraße: Gegen 3.50 Uhr am Sonntagmorgen feuerten Unbekannte aus einem Wagen mehrere Schüsse auf den Eingang des "Havanna"-Clubs ab. Zwei Türsteher im Alter von 26 und 36 Jahren wurden an den Beinen getroffen und kamen zur Behandlung in Krankenhäuser. Lebensgefahr besteht nach Angaben eines Polizeisprechers jedoch nicht.

Wie die Polizei mitteilte, war das Auto in der Hauptstraße in Richtung Potsdamer Straße unterwegs, der Club befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite. Auch der Wagen eines Unbeteiligten, der in Richtung Innsbrucker Platz fuhr, wurde getroffen. Der Fahrer blieb - wie auch weitere Personen - glücklicherweise unverletzt. Die Täter entkamen unerkannt. Die Hintergründe der Tat sind derzeit noch völlig unklar. Eine Mordkommission ermittelt.

Die Polizei hat die Straße gesperrt, sichert Spuren.
Die Polizei hat die Straße gesperrt, sichert Spuren.Foto: Felix Hackenbruch

Anwohner ärgern sich schon lange über Club

Bis in den Vormittag sind circa zehn Beamte von Polizei und Mordkommission mit der Spurensicherung am Tatort beschäftigt. Vor dem Club, der nur durch einen Innenhof mit Wohnungen erreichbar ist, haben sie Absperrband angebracht, auf dem Boden sind die Positionen der Türsteher und der Fahrzeuge markiert. Vereinzelt bleiben Passanten stehen, machen ein Foto, tuscheln und gehen weiter.

Ein Anwohner, der seit vier Jahren im Nebenhaus wohnt kommt ebenfalls vorbei, um ein Foto vom Tatort zu machen. Er hat von der Tat erst am Morgen von Freunden erfahren, die Schüsse hat er nicht gehört. "Das ist ein schräger Club", sagt er und berichtet von regelmäßiger Lärmbelästigung, Schlägereien und Vandalismus. "Für Anwohner ist dieser Standort schon eine ziemliche Belastung." Ein Vorfall wie letzte Nacht sei ihm aber nicht bekannt.

Club liegt im beliebten Familienkiez

Ähnliches berichtet ein Angestellter eines Spätkaufs, der direkt gegenüber liegt. "Sowas hatten wir hier noch nicht", sagt der Mann, der zum Tatzeitpunkt noch nicht im Dienst war. "Es gibt hier die üblichen Clubprobleme, aber doch keine Schießereien."

Tatsächlich ist die Ecke eher als beliebte Wohngegend bekannt. Der Akazienkiez mit vielen Cafés, Bars und Einzelhandelsgeschäften ist nicht weit, ein paar hundert Meter weiter befindet sich das Haus, in dem David Bowie einige Jahre lebte. Auch der Havanna-Club liegt im Hinterhof eines Wohnhauses. Um zum Club zu kommen, muss man durch einen Innenhof, in dem ein kleiner Teich angelegt ist.

Drei Stunden kein Busverkehr

Für die Tatortarbeit war die Hauptstraße drei Stunden bis kurz nach 7 Uhr in beiden Richtungen zwischen Akazien- und Eisenacher Straße gesperrt. Die BVG hatte deshalb mehrere Linien umgeleitet: Die Busse M48, M85, 104 und 187 fahren die Haltestelle Albertstraße nicht an.

Der Tatort liegt an der vielbefahrenen Hauptstraße.
Der Tatort liegt an der vielbefahrenen Hauptstraße.Foto: Felix Hackenbruch

Auch in der Vergangenheit gab es in Berlin schon Angriffe mit Schusswaffen aus offener Straße. Sie werden oft mit der Organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht. In Erinnerung ist etwa ein Vorfall am Olivaer Platz im Juli 2015, als Unbekannte das Feuer auf ein Café eröffneten. Eine Passantin wurde am Bein getroffen. Ein vorübergehend Verdächtigter wurde nach kurzer Zeit wieder freigelassen. Zwei Monate später entdeckte die Polizei in Schöneberg das Tatfahrzeug. Der Fall ist jedoch bis heute nicht gelöst, die Täter werden im Rotlichtmilieu vermutet. Eine Autobombe zerriss im März 2016 einen silbernen VW-Kombi mitten im Verkehr der Bismarckstraße und tötete einen 43-Jährigen. Auch hier sind die Täter flüchtig. Im August 2016 starb in Lichtenberg ein Mitglied des Rockerclub "Guerilla Nation", als es auf seinem Motorrad niedergeschossen wurde.

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