Drogen-Arzt : Keine Mordabsicht bei Drogentherapie

Weil der Therapeut Garri R. in seinen Sitzungen mit Drogen experimentierte, sind in seiner Praxis zwei Menschen gestorben. Vor Gericht hat der 51-Jährige nun eingeräumt, dass er mit den illegalen Substanzen zu leichtfertig umgegangen ist.

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Lucy in the Sky: Garri R. wollte Patienten mit Drogen therapieren, jetzt steht er wegen versuchten Mordes vor Gericht -Foto: dpa

Er ist in seiner Schuld gefangen. Garri R., der Medizin studierte, um Gutes zu tun, sprach unter Tränen über das katastrophale Ende der letzten Therapiesitzung in seiner Hermsdorfer Praxis. Sieben der zwölf Patienten hatte er auch Ecstasy gegeben. Zwei Männer, 28 und 59 Jahre alt, starben. "Ich habe auf schreckliche Weise erfahren müssen, dass ich den Umgang mit illegalen Substanzen völlig falsch eingeschätzt habe", gestand der 51-jährige Arzt gestern vor Gericht. 

Garri R., ein hagerer Mann mit blassem Gesicht, ist seit sechs Monaten inhaftiert. Nun verlas er eine schriftliche Erklärung. Seine Gruppe hatte sich auf die umstrittene "psycholytische" Methode eingelassen - unter Einsatz "bewusstseinserweiternder Mittel". Die Einnahme sei freiwillig gewesen, die Patienten "standardmäßig" umfassend über Substanzen und Nebenwirkungen aufgeklärt worden, sagte der Arzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapie. Das Amphetamin MDMA, das auch als Ecstasy bekannt ist, hatte er von einem "langjährigen Freund".

Der Mediziner räumte ein, dass er am 19. September 2009, als die Patienten zunächst ein legales Mittel bekommen hatten, "eine kleine Menge LSD" zu sich nahm. Weil es ihn "aufmerksam und einfühlsam" mache. Er holte dann eine Waage, um   das Ecstasy zu portionieren. "Mir erschien die Menge größer als erwarte", sagte der Arzt. Er habe noch einmal geprüft, sich dann aber auf die Waage verlassen.

Nach etwa 15 Minuten setzte die Wirkung ein. Ein Patient lief durch den Raum und sprach über sich. Eine Frau sagte etwas Unverständliches. Ein junger Mann schluchzte. Ein Frührentner wälzte sich auf dem Boden. "Viele kämpften gegen die inneren Bilder und Gefühle", beschrieb ihr Therapeut. Der Zustand eines 59-jährigen Frührentners erschien ihm bedenklich. "Erstmals bei einer solchen Sitzung entschloss ich mich, medikamentös einzugreifen", erklärte der Arzt. Er spritzte Valium. Das Beruhigungsmittel half nicht. Der Mann starb noch in der Praxis. Auch ein Student kollabierte. Er spritzte ihm Morphium. Der 28-Jährige starb später auf einer Intensivstation.

Garri R. muss sich wegen versuchten Mordes in einem Fall, Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen sowie gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ohne vorherige körperliche Untersuchung und Aufklärung über die Risiken habe er den Opfern hoch dosiertes Ecstasy gegeben. Die Patienten hätten dem Arzt vertraut und Drogen sowie Dosierung für ungefährlich gehalten. Im Falle des verstorbenen Studenten geht es um einen Mordversuch aus. R. habe den Kollabierten in Privaträume gebracht, um die Drogen-Therapie geheim zu halten. Diesen Vorwurf wies R. als "absurd" zurück. Er selbst habe den Notarzt gerufen.

"Ich fühle große Schuld und unendliche Trauer", sagte der Mediziner und Familienvater. Die Frage der strafrechtlichen Schuld aber ist umstritten. Verteidiger Ferdinand von Schirach verwies auf die Selbstverantwortung von Patienten. Drogen seien auch bei früheren Sitzungen geschluckt worden. "Die Teilnehmer der Gruppe wussten, was sie taten." Für den Anwalt liegt das Geschehen "sehr viel näher an einem Unfall als an einem Verbrechen". Der Prozess geht Montag weiter.

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