Drogenschmuggel : Justizbeamter sitzt in U-Haft

Ein Mitarbeiter der Vollzugsanstalt Tegel soll Drogen an Gefangene verkauft haben. Nun wurde der 45-Jährige festgenommen.

Tanja Buntrock

Diesmal wurden nicht nur Drogen in der Justizvollzugsanstalt Tegel sicher gestellt, sondern dazu auch gleich ein Verdächtiger, der das Rauschgift an die Häftlinge verkauft haben soll: Gestern erging gegen einen 45-jährigen Justizvollzugsbeamten Haftbefehl. Bei ihm waren am Montag ein Kilo Haschisch und Heroin gefunden worden. Zudem stellte die Polizei Waffen sicher. Doch damit nicht genug: Nach Tagesspiegel-Informationen sollen in dem Auto des 45-Jährigen auch eine Polizeiuniform und eine Anhalte-Kelle gelegen haben. Doch zu Letzterem wollte die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen. „Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen“, sagte Sprecherin Simone Herbeth.

Der Bedienstete der JVA Tegel soll seit Mitte 2008 regelmäßig Rauschgift in das Gefängnis geschmuggelt und dort an Inhaftierte verkauft haben, damit diese den Stoff weiter veräußern können. Die Anzeige ging von der Haftanstaltsleitung aus, sagte Herbeth. Kollegen des Verdächtigen sollen den Hinweis gegeben haben.

Fahnder durchsuchten daraufhin am Montag das Auto des Verdächtigen, vor dem Gefängnis. Dort fanden sie versteckt in Cornflakes-Packungen mehr als ein Kilogramm Haschisch und zehn so genannte Szenekugeln Heroin sowie ein Messer, eine geladene Schreckschusswaffe und eine ebenfalls geladene Soft air-Waffe – eine Pistole, mit der Farbkugeln abgefeuert werden können. „Dass neben den Drogen bei ihm auch griffbereit liegende Waffen gefunden worden sind, erhöht das Strafmaß“, erklärte Herbeth. Dem Verdächtigen drohe eine mindestens fünfjährige Haftstrafe. Der 45-Jährige bestritt den Tatvorwurf. Er sagte aus, er habe nicht gewusst, was sich in den Cornflakes-Packungen in seinem Wagen befindet. Dies halten die Ermittler jedoch für wenig plausibel. Justizsprecher Daniel Abbou sagte, die Behörde habe keine Kenntnisse darüber, was der verdächtige Bedienstete mit der offenbar gestohlenen Polizeiuniform gemacht habe. „Das ermittelt die Polizei.“

Erst im Dezember war ein halbes Kilogramm Haschisch auf dem Gelände der JVA Tegel entdeckt worden. Ob hier ein Zusammenhang zu dem jetzt verhafteten Bediensteten besteht, werde geprüft. Im Sommer 2007 wurden die massiven Drogenüberwürfe in der Jugendstrafanstalt Charlottenburg bekannt. Laut Abbou habe man das Problem durch das verengte Maschengitter vor den Fenstern in den Griff bekommen. „Die Drogenüberwürfe sind um 95 Prozent zurückgegangen“, sagte er. In den Haftanstalten setzt die Behörde auf die Sicherheitsabteilungen, die solche Strukturen erkennen und unterbinden sollen“. Tanja Buntrock

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