Ehrenmorde : Sürücü: Staatsanwalt fordert Aufhebung der Freisprüche

Der Freispruch für die beiden älteren Brüder der getöteten Hatun Sürücü im letzten Jahr sorgte für großes Aufsehen und viel Kritik. In der Revisionsverhandlung Ende Augst will Oberstaatsanwalt Hartmut Schneider die Urteile anfechten.

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Revision. Die Staatsanwaltschaft will den Freispruch von Emra Sürücü und seinem Bruder anfechten. -Foto: ddp

Berlin/LeipzigIn der Revisionsverhandlung um den so genannten Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü am 28. August vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig wird die Staatsanwaltschaft Rechtsfehler sowie eine lückenhafte Beweiswürdigung im ersten Urteil beanstanden. Das kündigte Bundesanwalt Hartmut Schneider am Montag in Leipzig an. Die Revision der Staatsanwaltschaft richte sich gegen die Freisprüche von zwei älteren Brüdern der Getöteten. "Die Freisprüche können keinen Bestand haben", sagte der Oberstaatsanwalt über die Entscheidung des Landgerichtes Berlin.

Die Staatsanwaltschaft strebt eine Aufhebung der Urteile sowie eine Neuverhandlung dieser in der Beweiswürdigung sehr komplizierten Fälle vor einer anderen Kammer des Landgerichtes Berlin an. Bislang wären nicht alle plausiblen Alternativen zum Tathergang erörtert worden, kritisierte Schneider. Zugleich betonte er, dass die Beweislage in diesen Fällen offen sei und sowohl ein Schuld- als auch ein Freispruch möglich seien.

An Bushaltestelle erschossen

Die Mutter eines damals fünfjährigen Sohnes war am 7. Februar 2005 an einer Bushaltestelle in Berlin von ihrem damals 19-jährigen Bruder durch mehrere Schüsse getötet worden, weil er ihren westlichen Lebensstil als Kränkung der Familienehre empfand. Das Berliner Landgericht verurteilte den Angeklagten im April 2006 wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten.

Die zwei mitangeklagten älteren Brüder der Getöteten wurden in dem Prozess aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf des gemeinschaftlichen Mordes freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte einem von ihnen vorgeworfen, nach einem gemeinsamen Tatbeschluss die Waffe beschafft zu haben. Der andere soll während der tödlichen Schüsse Schmiere gestanden haben. Der Mord an Sürücü hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und eine Debatte über die Integration von Ausländern sowie Ehrenmorde und Zwangsheiraten ausgelöst. (mit ddp)

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