Exklusiv: Erneut holt Polizei Kinder aus verwahrloster Wohnung

06.02.2013 09:12 UhrVon

Die Fälle von Verwahrlosung setzen sich fort: Auch am Dienstag hat die Polizei durch Zufall bei einem Einsatz in Reinickendorf in einer völlig verdreckten Wohnung ein Kind und zwei Jugendliche entdeckt.

Verschimmelte Essensreste in verdreckten Wohnungen, die Kinder oft sich selbst überlassen: Die Meldungen zu Verwahrlosungsfällen häufen sich in den ersten Wochen des Jahres, und meist ähneln sie sich. Am Dienstag bekamen die Ermittler des bundesweit einzigen für derartige Fälle zuständigen Fachdezernats erneut Arbeit: Diesmal waren es ein Junge und seine beiden Schwestern, die in Reinickendorf aus einer völlig verdreckten, stinkenden Wohnung geholt wurden. Am Montag wäre ein fünfjähriger Junge aus Niederschöneweide fast ertrunken, möglicherweise, weil seine Mutter nicht aufpasste. Das Kind schwebt weiter in Lebensgefahr.
Gina Graichen, Chef-Ermittlerin, sagt, dass nicht plötzlich immer mehr Kinder in ihren Wohnungen verwahrlosen. Aber die Aufmerksamkeit habe sich erhöht, auch durch die aktuellen Berichte, und so würden mehr Fälle bekannt. Oftmals stießen auch Polizisten „per Zufall“ auf die unzumutbaren Zustände, wenn sie eigentlich aus einem ganz anderen Anlass im Einsatz seien. So war es im jüngsten Fall: Die Beamten wollten dem Hinweis nachgehen, ein vermisster Jugendlicher halte sich in einer bestimmten Wohnung auf. Den fanden sie dort zwar nicht – aber dafür einen siebenjährigen Jungen und seine Schwestern im Alter von 14 und 15 Jahren. Die Wohnung war verqualmt, Fliegen klebten an den Wänden, überall soll vergammeltes Essen herumgelegen haben. Die Geschwister wurden Notdiensten übergeben. Gegen die 37-jährige alleinerziehende Mutter wird nun ermittelt.

Graichen sagt, die Beamten seien viel besser geschult als früher und reagierten sofort auf solche Zustände, auch wenn sie aus einem anderen Anlass gekommen seien. Der andere Grund, aus dem sich die Aufmerksamkeit erhöht habe, sei die langjährige Arbeit der Behörde und das Bestreben, „die Bevölkerung für solche Wahrnehmungen zu sensibilisieren“, sagt Graichen. So bekäme die Polizei viel häufiger Hinweise, auch anonyme, von Nachbarn oder Passanten, weil diese viel aufmerksamer seien und sich trauten, Beobachtungen zu melden. Im Jahr 2004 war die Behörde mit einer Plakat-Kampagne in die Offensive gegangen. Ein Motiv zeigte drei Kinder, die in einer vermüllten Wohnung kauern. Das Bild war echt, darunter der Text: „Verdreckt, hungrig, allein gelassen.“ Ein anderes Plakat zeigte eine Babyflasche vor einem Grab und die Überschrift „Geboren, gequält, gestorben
“ – dazu der Appell, jeden Verdacht der Polizei zu melden.

zur Startseite

Umfrage

Soll die Hauptstraße in Schöneberg in David-Bowie-Straße umbenannt werden?

Altersvorsorge

Altersvorsorge

Welche Vorsorge-Optionen gibt es? Und welche Maßnahmen sind wirklich sinnvoll? Präsentiert von unserem Partner CosmosDirekt klären wir offene Fragen.

Diese und weitere Informationen zum Thema Altersvorsorge finden Sie auf unserer Themenseite.

Folgen Sie unserer Berlinredaktion auf Twitter:

Tanja Buntrock:
Karin Christmann:


Robert Ide:


Sigrid Kneist:


Anke Myrrhe:


Hier twittert die Stadtleben-Redaktion des Tagesspiegels. Tipps und Trends, Themen und Termine - alles, was die Stadt bewegt:



Machen Sie mit und verlinken Sie Ihre morgendlichen Fotos mit dem Hashtag #gmberlin. Oder schicken Sie Ihre Fotos wie gewohnt an leserbilder@tagesspiegel.de! Wir freuen uns auf Ihre Bilder!


Die ersten Ergebnisse sehen Sie in unserer Fotostrecke.


Tagesspiegel lokal

Zehlendorf-Kiez

Zehlendorf – fein, langweilig, reich? Denkste! Wir hinterfragen gemeinsam mit Jugendlichen, Erwachsenen, Prominenten Klischees und schreiben spannende Geschichten aus dem Stadtteil: über Menschen, lokale Politik und ein Lebensgefühl mit Wasser und Wald. Schreiben Sie mit an unserer Seite über Zehlendorf!

Zum Ortsteil Zehlendorf


Ku'damm

Alle reden vom neuen Aufschwung am berühmten Berliner Kurfürstendamm. Wir zeigen die Fortschritte, aber auch Schattenseiten der Entwicklung in der westlichen Innenstadt und stellen die Menschen dort vor. Machen Sie mit bei unserer Seite zum Ku'damm-Kiez!

Zum Ortsteil Ku'damm


Spandau

Kaum ein Bezirk ist so kontrastreich wie das "gallische Dorf" am Westrand Berlins, vom riesigen Stadtforst bis zu bedeutenden Industriestandorten von Konzernen wie BMW und Siemens, von Großsiedlungen wie dem Falkenhagener Feld über das dörfliche Gatow bis hin zu den Kladower Villen. Unser Portal ist eine Mischung aus aktuellen Nachrichten, Kiez-Reportagen und Debatten-Plattform. Mischen Sie mit!

Zum Ortsteil Spandau


Pankow

Pankow boomt. Das Gebiet nördlich vom Prenzlauer Berg wächst rasant. Zu DDR-Zeiten lebten hier vor allem Diplomaten, Funktionäre und Künstler; nun kommen Familien aus dem Prenzlauer Berg hinzu. Eine interessante Mischung. Wir berichten, wie sich das alte Pankow verändert und wer es verändert. Und wir erzählen Geschichten aus der Zeit vor 1989. Die sind spannender als jeder Krimi.

Zum Ortsteil Pankow


Wedding

Der Wedding lebt. Nur wie? Finden wir es heraus, gemeinsam. Wir: die Leser und die Journalisten des Tagesspiegels. Wir schreiben: Eine Seite über den Wedding. Den alten. Den neuen. Den guten. Den schlechten. Und den dazwischen. Früher Bezirk, bis heute Ereignis. Machen Sie mit bei unserer Seite über den Wedding-Kiez!

Zum Ortsteil Wedding


Kreuzberg

Berlin ist Kreuzberg. Und umgekehrt. Kaum ein anderer Berliner Bezirk wird so stark mit der Hauptstadt in Verbindung gebracht wie Kreuzberg. Was die Kreuzberger bewegt, viele Kiezgeschichten und Meinungen lesen Sie im hyperlokalen Projekt des Tagesspiegels.

Zum Ortsteil Kreuzberg


Service

Nachrichten aus den Bezirken

Weitere Themen

Veranstaltungen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden regelmäßig Salons, Vorträge und Debatten statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.