Elf Überfälle am Geldautomaten : 28-Jähriger gesteht vor Gericht

Im Mai überfiel ein 28-Jähriger elf Menschen an Geldautomaten und erbeutete dabei fast 10.000 Euro. Er hatte die Bankkunden mit einer Spielzeugpistole bedroht. Vor Gericht gestand er seine Taten.

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Wenn der Informatiker den Vorraum einer Bankfiliale betrat, wirkte er harmlos. Ein junger Mann, nur ein weiterer Kunde, so schien es. Doch Florian R. war extra per Zug aus Magdeburg angereist, um sich räuberisch Geld zu beschaffen. Auf arglose Bankkunden hatte er es abgesehen und elfmal innerhalb eines Monats zugeschlagen. Vier Monate nach der Serie im Frühsommer begann heute der Prozess gegen den 28-Jährigen.

Die Beweise sind erdrückend, die Opfer erkannten den Räuber zumeist wieder. „Er zog eine Waffe, da hat man Todesängste“, beschrieb eine 50-jährige Frau. Sie wurde Mitte Mai am Geldautomaten in einer Sparkasse überfallen. Es war früher Abend, sie war allein im Vorraum, als er 1.500 Euro forderte. „Mach schnell, dann passiert nichts“, befahl er und stand mit der Pistole vor ihr. „Ich habe drei Kinder, ich dachte, ich sehe sie nie wieder“, beschrieb die Zeugin ihre Angst. Sie erfuhr später, dass Florian R. bei seiner Festnahme eine Spielzeugpistole bei sich trug. „Wer kann schon eine echte von einer unechten Waffe unterscheiden“, sagte die Zeugin. Die Richter bestätigten das nickend. Das Spielzeug des Informatikers sah einer scharfen Waffe sehr ähnlich.

Der erste Überfall geschah am 12. Mai gegen 19.25 Uhr in der Rheinstraße in Schöneberg. Wie bei den übrigen Taten hatte sich R. auf die Lauer gelegt. Als eine gut gekleidete Frau von 66 Jahren allein im Geldautomatenraum stand, trat er auf sie zu. „Ich sah die Waffe, ich war wie erstarrt“, beschrieb die Frau. Er habe „manisch und wie ein Spieler“ gewirkt. Und er habe lamentiert, dass es ihm so schlecht gehe, er deshalb eine Frau überfallen müsse. Gesprächig war er auch in anderen Fällen. Nach einem anderen Raub drehte er sich um und versprach: „Tut mir leid, ich mache es nie wieder.“

Auch im Prozess gingen ihm die Entschuldigungen locker über die Lippen. „Ich habe Mist gebaut, ich bitte von Herzen um Verzeihung“, nuschelte er. „Dafür gibt es keine Entschuldigung“, konterte eine Zeugin. Wie bei anderen Opfern waren die seelischen Folgen bei ihr gravierend. Angst in Dunkelheit, Schlafstörungen, äußerste Vorsicht beim Geldabheben.

An psychische Auswirkungen will R. nicht gedacht haben. Für ihn seien es Touren gewesen, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren, sagte er. Monatlich habe er 1.000 Euro gebraucht. Am 18. Juni war R. in Wilmersdorf unterwegs, als ihn zwei  Polizisten als mutmaßlichen Räuber am Geldautomaten erkannten. „Gott sei Dank, es ist vorbei“, rief R. Er hatte insgesamt 9.575 Euro erbeutet. Das Urteil fällt voraussichtlich Donnerstag.

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