Endspurt im Wahlkampf : Rechte Parteien auf Wählerfang

Einen Tag vor der Bundestagswahl mobilisieren die rechten Parteien noch einmal ihre Anhänger in Berlin. NPD, Pro Deutschland und Die Rechte veranstalteten Kundgebungen, stadtweit waren 1500 Polizisten im Einsatz.

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Wahlkampf: Der Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Vereinigung Pro Deutschland, Manfred Rouhs (Mitte), steht am 21.09.2013 zusammen mit einigen anderen Parteianhängern auf einem ansonsten menschenleeren Platz in Berlin.
Wahlkampf: Der Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Vereinigung Pro Deutschland, Manfred Rouhs (Mitte), steht am 21.09.2013...Foto: dpa

Am Freitag standen die rechten Populisten von "Pro Deutschland" um den Parteivorsitzenden Bernd Rouhs und den Landesvorsitzenden Lars Seidensticker vor Moscheen in Neukölln und Wedding, um ihre Meinung kundzutun - am heutigen Samstag warem als linksalternativ bekannte Einrichtungen in Friedrichshain-Kreuzberg, das Rathaus Kreuzberg und der Oranienplatz an der Reihe.

Laut Polizei machten seit dem Morgen etwa zehn Pro Deutschland-Unterstützer von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch - die Redner wurden aber konsequent von linksgerichteten Gegendemonstranten übertönt, die mit einem Pfeifkonzert, Buh-Rufen und lautem Getrommel dafür sorgten, dass jedwede rechte Parole unterging. Abgesehen von vereinzelten verbalen Beschimpfungen der Pro Deutschland-Führungsriege sei die Lage friedlich, teilte eine Polizeisprecherin am frühen Samstagnachmittag mit.

1500 Polizisten im Einsatz

Die Polizei ist am Wahlwochenende stadtweit mit rund 1.500 Beamten im Einsatz - aber nicht nur wegen Pro Deutschland, sondern auch wegen zahlreicher anderer Kundgebungen im Stadtgebiet. Die über das Stadtgebiet verteilten Einsatzkräfte wurden lageabhängig eingesetzt. Außerdem wurde ein Eingreifkommando bereitgehalten.

So versammelten sich etwa 60 Anhänger der rechtsextremen Splitterpartei Die Rechte um 14 Uhr am S-Bahnhof Lichtenberg. Mit einem Lautsprecherwagen zogen die Sympathisanten der aus der DVU hervorgegangenen Partei zum Nöldnerplatz. Die Route wurde laut Polizei kurzfristig umverlegt, weil sich an Kreuzungen und Straßeneinmündungen Gegendemonstranten sammelten. Linke und Rechte skandierten Sprechchöre, aber laut Polizei gab es keine tätlichen Übergriffe. Die Abschlusskundgebung endete gegen 16 Uhr.

Auch die NPD scharte ab 16 Uhr etwa 30 Unterstützer für eine Kundgebung in Hellersdorf um sich. An der Riesaer Straße/Ecke Mark-Twain-Straße versuchten die Redner der nationalistischen Partei die laute Musik zu übertönen, mit der die rund 130 Gegendemonstranten die Kundgebung von einer Mittelinsel aus beschallten.

Stadtrallye mit Pro Deutschland

Erste Station auf der Pro Deutschland-Stadtrallye war heute das Café Ehrenburg in der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain. Gegen 9.30 Uhr hatten sich laut Polizei etwa 30 Gegendemonstranten versammelt, darunter einige Anhänger von SPD und Grünen. Anschließend ging es weiter zum autonomen Kunst- und Kulturzentrum "Köpi 137" unweit des Ostbahnhofs. Dort warteten laut Polizei etwa 120 Gegendemonstranten auf die Rechtspopulisten.

Der Ablauf der Pro Deutschland-Kundgebungen ist immer gleich: Das Wahlkampfmobil fährt vor, zwei oder drei Helfer bauen Lautsprecherboxen auf. Die Gegendemonstranten pöbeln, die Pro Deutschland-Leute nehmen das grinsend zur Kenntnis. Dann ertönt eine pathetische Hymne, es folgen zwei oder drei kurze Reden - von denen kaum etwas zu verstehen ist. Das macht aber auch nichts, da ohnehin kaum jemand zuhört. Dann wieder Musik. Anschließend setzt sich der Pro Deutschland-Tross wieder in Bewegung. Sobald das Wahlkampfmobil unterwegs ist, machen sich auch die Gegendemonstranten wieder auf den Weg, um die Rechten pünktlich zum Eintreffen am nächsten Kundgebungsort mit einem weiteren Pfeifkonzert zu empfangen.

Später stand Pro Deutschland vor dem Rathaus Kreuzberg, um 15.30 Uhr ging es weiter in die Wilhelmstraße zum Tommy-Weisbecker-Haus. Das berühmte linke Wohnprojekt liegt in unmittelbarer Nähe zur SPD-Parteizentrale. Letzte Station auf der Route war gegen 17.30 Uhr der Oranienplatz, wo im vergangenem Winter ein Protestcamp von Flüchtlingen aus aller Welt eingerichtet wurde.

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