Ermittlungen : Poker-Räuber nicht zu fassen

Hin und Her bei der Fahndung nach den Poker-Räubern: Die Polizei nimmt einen Verdächtigen fest – und muss ihn wieder laufen lassen. Die Ermittler verfolgen angeblich eine zweite Spur.

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Hin und Her bei der Fahndung nach den Poker-Räubern: Am späten Freitagabend wurde ein türkischstämmiger Berliner auf der Straße festgenommen, kurz zuvor hatte ein Richter wegen dringenden Tatverdachts einen Haftbefehl unterschrieben. Zudem wurden zwei Wohnungen des Mannes durchsucht. Doch keine 24 Stunden später kam die Kehrtwende: Am Nachmittag wurde Muhammed B. wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie es hieß, könne der Mann nicht bei dem spektakulären Raubüberfall auf das Europäische Pokerturnier dabei gewesen sein. Er selbst soll jede Tatbeteiligung abgestritten haben. Dem Vernehmen nach hatten die Ermittler von sich aus beantragt, den Haftbefehl wieder aufzuheben. Offiziell wurden keine Details bekannt; Polizei und Staatsanwaltschaft lehnten nahezu jegliche Auskunft mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen ab: Die Täter sollen nicht wissen, was die Polizei schon weiß. Am Sonnabend vergangener Woche hatten vier maskierte Männer im Luxushotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz 242 000 Euro erbeutet.

Es war ausgerechnet Polizeipräsident Dieter Glietsch, der bereits zwei Tage später verkündete, die Chancen zu einer schnellen Aufklärung „stehen nicht schlecht“. Was derzeit tatsächlich Stand der Ermittlungen ist, bleibt geheim. Dem Vernehmen nach gibt es eine zweite, sehr vielversprechende Spur, diese wird völlig unabhängig von der Festnahme von Freitagabend verfolgt.

Der Festgenommene, Muhammed B., hätte genau ins Bild der Ermittler gepasst – fast zu gut. Denn der 29-Jährige war 2004 wegen eines ähnlichen Überfalls auf das Spielcasino am Alexanderplatz verurteilt worden. Hinter dem damaligen Überfall hatte die arabische Großfamilie El-Z. gesteckt, neben B. waren drei junge Männer aus diesem Clan dabei, dessen bekanntestes Mitglied der „Präsident“, Mahmoud Al-Z. ist. Der Überfall am Alexanderplatz scheiterte damals, auch wegen des Dilettantismus der Täter: Die Männer hatten die Casino-Crew gegen 4.30 Uhr am Ausgang abgepasst. Obwohl sie äußerst brutal auf die Angestellten einprügelten, gelang es einem 55-Jährigen, unbemerkt zu flüchten und die Polizei zu alarmieren. Unter massiven Drohungen sollten die anderen Angestellten den Tresor öffnen, doch dieser hatte ein Zeitschloss und ging nicht auf. Entnervt flüchtete das Quartett, drei von ihnen wurden noch auf dem Alexanderplatz festgenommen. Im Prozess hatte einer aus dem El-Z.-Clan zur Tatmotivation einen schlichten Satz gesagt: „Geld braucht man immer.“ 

Beide Taten haben neben der Ähnlichkeit in der Ausführung eine große Gemeinsamkeit: Die Mischung aus großer Dreistigkeit und ebenso großer Dummheit, sagte ein leitender Kriminalbeamter. Wie berichtet, hatte ein Täter im Hyatt nicht einmal Handschuhe getragen, deshalb soll er Fingerabdrücke hinterlassen haben. Zudem gibt es zahlreiche Fotos und Videoaufnahmen, da der Coup ja praktisch bei laufender Kamera geschah. Dass B. wieder freigelassen werden musste, zeigt vor allem: Es gibt von ihm keine Spuren wie DNA oder Fingerabdrücke am Tatort.

Dass auch das Raubdezernat voller Hoffnung ist, zeigt jedoch die Tatsache, dass bislang auf eine Öffentlichkeitsfahndung mit Bildern der Täter verzichtet wurde. Das weist darauf hin, dass die Polizei genügend andere Ermittlungsansätze hat. Klar ist für sie, dass das Pokerturnier auf das Konto Berliner Täter geht – und nicht von einer eingereisten Gruppe vom Balkan oder aus dem Ostblock verübt wurde, wie anfangs spekuliert worden war.

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