Ermittlungen : Rätsel um Tod bei Polizeieinsatz

Nach dem Tod eines 32-Jährigen in Schöneberg im Verlauf eines Polizeieinsatzes suchen Gerichtsmediziner der Charité nach der Todesursache. Ein Experte hält Pfefferspray für den möglichen Grund.

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Am Montag war die Obduktion des Leichnams bereits abgeschlossen, die Mediziner waren aber noch damit beschäftigt, die Krankenakten des Toten auszuwerten, um einem Hinweis auf eine Vorerkrankung nachzugehen. Details zu den Ergebnissen wollte die Polizei mit Verweis auf die laufende Untersuchung noch nicht mitteilen. Wie bei Polizeieinsätzen mit Todesfällen üblich, hat sich eine Mordkommission in den Fall eingeschaltet. „Gegen drei Beamte wird wegen Körperverletzung im Amt mit Todesfolge ermittelt“, bestätigte ein Sprecher.

Wie berichtet, war die Polizei am Sonntag gegen 4.30 Uhr von der 30-jährigen Schwester des Mannes alarmiert worden, weil dieser ihre Eltern und sie selbst in der gemeinsamen Wohnung in der Elßholzstraße bedrohte und anschrie. Die Beamten drängten den Mann auf die Straße und erteilten ihm einen Platzverweis. Als die Beamten das Haus später verlassen wollten, wartete der Mann im Flur. Mit Schlägen und Tritten ging der unter Drogeneinfluss stehende Angreifer auf die Polizisten los. Diese versuchten ihn erfolglos mit Pfefferspray außer Gefecht zu setzen. Erst gemeinsam mit hinzugerufenen Kollegen konnte der 30-Jährige überwältigt werden, stürzte dabei aber eine Treppe hinab und verletzte sich. Auch vier Polizisten wurden verletzt. Bevor der Notarzt eintraf, hörte der Randalierer plötzlich auf zu atmen. Trotz sofortiger Reanimation starb er später im Krankenhaus.

Möglicherweise war das gegen den Mann eingesetzte Pfefferspray Grund für das Unglück. „Uns ist bekannt, dass Pfefferspray gegen Menschen unter Drogeneinfluss tödlich wirken kann“, sagte Wolfgang Grenz von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Eine wissenschaftliche Studie aus den USA kommt zu dem Schluss, dass allein im Bundesstaat Kalifornien seit 1993 bis zu 26 Menschen durch Pfefferspray ums Leben kamen. Fast immer standen die Todesopfer unter Drogeneinfluss, meistens war es Kokain. Die Wissenschaftler gehen von einer gefährlichen Wechselwirkung zwischen dem in Pfefferspray enthaltenen Chili-Wirkstoff Capsaicin und dem Rauschgift der Kokapflanze aus.

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