Fall Kristina Hani : Qualvoller Drogentod

Eine tote 14-Jährige, die Leiche verbrennt in einem Koffer. Der Tod der Berliner Schülerin Kristina Hani erschütterte vor einem Jahr die Öffentlichkeit. Jetzt steht ihr Dealer vor Gericht.

Kerstin Gehrke
Kristina H.
Kristina Hani. -Foto: ddp

BerlinEin 14-jähriges Mädchen, gestorben an einer Überdosis Heroin, die Leiche verbrannt in einem Koffer. Der Tod der Schülerin Kristina Hani erschütterte zutiefst. Fast sieben Monate vergingen, bis der mutmaßliche Täter gefasst wurde. Drogendealer Ali K., damals 17 Jahre alt, muss sich ab Mittwoch vor einer Jugendstrafkammer verantworten.

Der staatenlose Palästinenser soll der Schülerin hoch dosiertes Heroin gegeben haben. Als die zerstörerische Wirkung einsetzte, habe er tatenlos zugesehen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er ihren lebensbedrohlichen Zustand bemerkte und damit rechnete, dass sie sterben könnte. Er habe keinen Notarzt alarmiert, weil er befürchtete, als Dealer aufzufliegen. Die Anklage lautet aber lediglich auf versuchten Mord durch Unterlassen. Den Untersuchungen zufolge hatte Kristina eine tödliche Dosis konsumiert. Ali K. soll zwar beabsichtigt haben, sie sterben zu lassen. Juristisch aber musste berücksichtigt werden, dass jede Hilfe zu spät gekommen wäre.

Die Leiche der Schülerin war am späten Abend des 16. April letzten Jahres in der Grünanlage Thomashöhe in Neukölln gefunden worden. Drei Jugendliche hatten kurz zuvor meterhohe Flammen gesehen. Erst eine Woche später konnte die Tote durch DNA-Spuren identifiziert werden. Die Ermittlungen gestalteten sich sehr schwierig. Nur wenige Hinweise gab es. Die Polizei suchte nach zwei jungen Männern südländischer Herkunft, die Zeugen in der Nähe des Tatortes mit einem Rollkoffer gesehen hatten. Auf die Spur des mutmaßlichen Täters stießen die Fahnder erst im November. Ali K. saß damals wegen Drogenhandels in Untersuchungshaft. Mithäftlingen soll er von Kristinas Tod berichtet und sich dabei mehrfach selbst bezichtigt haben. Ali K. hat die Vorwürfe bestritten.

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Erkenntnisse auf 23 Seiten zusammengefasst. Viele Fragen aber sind offen. Ali K. soll nach dem Tod der Schülerin einen Kumpel verständigt haben. Mit dieser „nicht näher bekannten“ Person soll er die Leiche in den Koffer gelegt haben. Das sei in einer Neuköllner Wohnung geschehen. Doch die Adresse konnte bislang nicht ermittelt werden. Die Männer sollen den Koffer in den Park geschafft, mit Benzin übergossen und angezündet haben.

Über Ali K. sind vor allem seine Angaben im Asylverfahren und Erkenntnisse der Drogenfahnder bekannt. Der Jugendliche soll im Jahr 2003 aus dem Libanon über die Türkei nach Deutschland gekommen sein. Im Dezember 2004 beantragte er in Berlin eine Duldung. Als festgestellt wurde, dass für ihn bereits in der Slowakischen Republik ein Asylverfahren eingeleitet worden war, wurde er abgeschoben. Zehn Monate später wurde er in Berlin erneut aufgegriffen. Nach einigen Tagen Abschiebehaft tauchte er unter.

Am 9. Oktober 2007 wurde er als Dealer verhaftet. K. soll auf der U-Bahnlinie 8 Drogen verkauft haben. Im April wurde er zu einem Jahr Haft auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Wegen der Vorwürfe im Fall Kristina befindet er sich weiterhin in Haft. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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