Fall Lieschied : Streit um Spenden beigelegt

Der Sohn des ermordeten Polizisten bekommt von der Mutter ein Viertel der gesammelten Gelder.

Kerstin Gehrke

Nach dem Mord an dem Polizisten Uwe Lieschied hatten viele Berliner Anteil genommen. Auch Spenden für die Hinterbliebenen wurden gesammelt. Doch die Familie, die so viel durchmachen musste, ist zerbrochen. Einer der Söhne reichte Klage gegen seine Mutter ein. Im Streit um insgesamt rund 200 000 Euro Spendengelder einigten sie sich gestern vor einem Zivilgericht. Doch Heike Lieschied und ihr Sohn Patrick würdigten sich auch nach diesem Vergleich keines Blickes.

„Es ist traurig, seine Mutter verklagen zu müssen“, sagte der 21-jährige Lehrling. Er wolle sie nicht verletzen. „Ich will doch nur, dass alles gerecht abläuft – auch für meine beiden Brüder“, sagte Patrick Lieschied. Von einem 23-jährigen Halbbruder habe er erst kürzlich erfahren und inzwischen auch mit ihm telefoniert. Zu seinem zwei Jahre jüngeren Bruder, der bei der Mutter lebt, habe er „leider weniger Kontakt“. Patricks Anwalt brachte die Summe von 50 000 Euro ins Spiel. Ein Viertel – so viel, wie auch die Brüder erhalten sollten. Das Viertel wurde später Bestandteil des Vergleiches.

Als im letzten November der Prozess um den Mord an dem Hauptkommissar Uwe Lieschied begann, saßen Mutter und Sohn mit im Gerichtssaal – ganz in Schwarz und blass. Sie schienen sich gegenseitig Halt zu geben, flüsterten kurz, als der Todesschütze mit dreisten Lügen sein früheres Geständnis widerrief. Sie wollten am Prozess teilnehmen, wollten wissen, was den Täter getrieben hat.

Uwe Lieschied war am 17. März 2006 an der Hasenheide in Neukölln erschossen worden. Der 42-jährige Polizist wollte in jener Nacht mit weiteren Zivilbeamten zwei mutmaßliche Handtaschenräuber überprüfen. Einer zog eine Waffe und schoss das Magazin leer. Eine Kugel durchschlug Lieschieds linke Schläfe. Er starb wenig später im Krankenhaus. Im Februar wurde der 40-jährige Kurde Mehmet E. zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Brutalität der Tat hat Bestürzung ausgelöst. Es gab einen Trauermarsch, an dem 7000 Menschen teilnahmen, 1000 kamen zur Trauerfeier , 4000 sahen sich ein Benefizspiel von Hertha BSC gegen eine Polizeimannschaft an. Spenden in Höhe von 103 000 Euro wurden nach Angaben der Witwe an die Familie gezahlt. Doch als von einem Rechtsstreit die Rede war, wurden weitere Gelder zurückgehalten.

Die Spender wollten, dass allen Familienmitgliedern Geld zugute kommt, sagte die Vorsitzende Richterin. Sie warb geduldig für eine Einigung in dem „unsäglichen Streit“. Patrick hatte seiner Mutter im Vorfeld des Gerichtstermins vorgeworfen, sie verwende das Geld vor allem für sich. Die Anwältin der Frau verwies auf Schulden, die zu berücksichtigen seien. Nun wird die Witwe eine Nachlassliste aufstellen. Ihr Sohn, der 50 000 Euro bekommt, sagte in dem geschlossenen Vergleich zu, sich mit 25 Prozent an den Nachlassschulden zu beteiligen. Kerstin Gehrke

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