Fall ohne Leiche : Verurteilter weiterer Morde verdächtigt

In Düsseldorf wurde der 37-jährige David K. wegen Totschlags verurteilt. Die Polizei vermutet weitere Opfer – auch in Berlin.

Katharina Rüth/Tanja Buntrock

Er steht unter Verdacht, in Wedding den 45-jährigen Detlef Gottschling getötet zu haben: Am gestrigen Donnerstag wurde der 37-jährige David K. in Düsseldorf wegen Totschlags einer 52-jährigen Frau zur Höchststrafe von 15 Jahren Haft verurteilt. Ein unheimlicher Mann, der vielleicht sogar ein Serienkiller ist.

Sein mögliches Berliner Opfer, Detlef Gottschling, ist seit April 2009 verschwunden. Der Hartz-IV-Empfänger war im Frühjahr letzten Jahres als vermisst gemeldet worden. Der Fall wurde monatelang zunächst bei der Vermisstenstelle im Landeskriminalamt geführt, bis sich Hinweise ergaben, dass der Mann Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist und eine Mordkommission die Sache übernahm.

Zwar wurde keine Leiche gefunden, doch für die Mordkommission gilt David K. als dringend tatverdächtig. In der Wohnung Gottschlings in der Drontheimer Straße hatten die Ermittler Spuren sichergestellt, die offenbar darauf schließen ließen, dass es zu einer Gewalttat gekommen war. Die Auswertung der DNA führte dann zu David K. als dringend Tatverdächtigem.

Gottschling und David K. sollen „Kumpels“ gewesen sein, wie ein Ermittler dem Tagesspiegel sagte. Offenbar war es dann bei einem Treffen in Gottschlings Wohnung zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen. Die Ermittler vermuten, dass K. die Wohnung danach gereinigt und die Leiche beseitigt hat. Dennoch gelang es den Kriminaltechnikern Spuren zu sichern, die zu K. führten. Bei der Staatsanwaltschaft hieß es gestern, das Ermittlungsverfahren laufe noch. Im Fall einer Anklage müsse er sich in Berlin vor Gericht verantworten.

David K. hatte schon als 17-Jähriger bei Aachen ein siebenjähriges Mädchen ermordet. Nach seiner siebenjährigen Jugendstrafe lebte er ein unstetes Leben zwischen Aachen, Hamburg und Berlin. Als 2000 in Hamburg eine Frauenleiche gefunden wurde, führten Spuren auch zu David K., reichten aber nicht für eine Anklage.

In Düsseldorf hingegen genügten Fingerabdrücke und DNA-Spuren von David K. für eine Verurteilung: Laut Gericht hat er die 52-jährige Frau in ihrer Wohnung erstochen. Der Angeklagte schwieg im Prozess, sein Motiv blieb unklar. Obwohl ihn ein Gutachter als hoch gefährlich einstufte, konnte er aus formalen Gründen nicht zu Sicherungsverwahrung verurteilt werden. Die Tötungsdelikte in Berlin und Hamburg waren in Düsseldorf kein Thema.

In Berlin hatte es in den vergangenen Jahren auch andere Fälle gegeben, bei denen die Ermittler von einem Gewaltverbrechen ausgehen, die Leichen aber bislang nicht aufgetaucht sind: Im September 2006 verschwand die damals 14-jährige Georgine Krüger aus Moabit auf dem Weg von der Schule nach Hause. Die Polizei geht davon aus, dass sie getötet wurde. Trotz einer großen Suchaktion war die Leiche nicht gefunden worden.

Ebenso mysteriös bleibt das Verschwinden des damals 49-jährigen Alexander Luchterhandt aus Lichtenberg. Er war als Informant für zahlreiche Print- und Rundfunkmedien tätig. Im Mai 2005 verliert sich seine Spur. Für die Polizei besteht kein Zweifel, dass er getötet wurde.

Im Jahr 2009 hat die Berliner Mordkommission 71 Fälle bearbeitet mit einer Aufklärungsquote von 80,3 Prozent.

Katharina Rüth/Tanja Buntrock

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