Falsch geparkt in Charlottenburg : Wütender Rentner lässt an Diplomatenauto die Luft ab

Ein 72-Jähriger hat am Sonntag seine Wut an einem falsch geparkten Auto abgelassen, indem er die Luft aus einem Reifen gelassen hat. Das Diplomatenauto aus Mazedonien stand auf einem Behindertenparkplatz.

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Ein Anwohner beobachtete am Sonntag gegen 20 Uhr in der Krumme Straße in Charlottenburg, wie der Mann an einem Diplomatenfahrzeug hockte, und hörte anschließend ein Zischen. Der Zeuge rief die Polizei. Als die Beamten den Rentner zur Rede stellten, zeigte der Tatverdächtige seinen Schwerbehindertenausweis und erklärte, dass der VW-Golf mit Diplomatenkennzeichen des Staates Mazedonien auf seinem Behindertenplatz parke.

Gegen den 72-Jährigen wurde eine Anzeige wegen Sachbeschädigung gefertigt. Das Diplomatenfahrzeug wiederum konnte trotz widerrechtlichen Parkens nicht an Ort und Stelle umgesetzt werden, wegen der diplomatischen Immunität. Dies ist der Schutz von Diplomaten vor strafrechtlicher, zivilrechtlicher oder administrativer Verfolgung in einem fremden Staat.

Allerdings werde laut einem Polizeisprecher die Ordnungswidrigkeit schriftlich festgehalten und dem Auswärtigen Amt weitergeleitet. Bei größeren und häufigeren Auffälligkeiten spricht die Behörde die diplomatische Vertretung an. Dem Gastgeberland bleibt als letztes Mittel nur die Möglichkeit, den Diplomaten des Landes zu verweisen, indem es ihn zur Persona non grata erklärt – was bei Falschparkern wohl kaum vorkommen dürfte. In diesem Fall haben die Diplomaten das Gastland innerhalb einer bestimmten Frist zu verlassen.
Wie berichtet, hat sich die Zahl der Verkehrsverstöße durch das Diplomatische Corps innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Zählte die Polizei im Jahr 2009 noch 8600 Ordnungswidrigkeiten, waren es 2011 bereits 18. 886 . Die Zahl der registrierten Diplomatenautos ist in diesem Zeitraum dagegen um sechs Prozent auf 2874 gesunken.
Auf der Liste der häufigsten Sünder stehen seit Jahren die selben Länder: Saudi Arabien führt die Rangfolge an, danach kommt Russland auf dem zweiten Platz. Auf Platz 3 haben sich im vorigen Jahr die USA vorgeschoben und damit Ägypten verdrängt. Allerdings hat Ägypten in Berlin nur 38 Autos angemeldet; die Knöllchen der US-Amerikaner verteilen sich auf einen Fuhrpark von immerhin 225 Autos. Unter den Top Ten sind außerdem: China, Georgien, Ägypten, Italien, Aserbaidschan, Türkei und Iran.
Verkehrsunfälle mit Diplomaten am Steuer werden in der Regel nicht von den Behörden publik gemacht. Sie gelangen meist über zufällige Fotos an die Öffentlichkeit. Zuletzt war ein betrunkener Südkoreaner 2011 in Friedenau in ein Haus gefahren.

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