Festnahme bei Krawallen in Kreuzberg : Pressefotograf soll auf Giuliani-Demo Böller gezündet haben

Auch ein Pressefotograf ist während der Krawalle auf der Carlo-Giuliani-Demo in Kreuzberg von der Polizei festgenommen worden. Er soll einen Böller geworfen haben. Der Fotograf beteuert seine Unschuld.

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Bei der nicht angemeldeten Demonstration zu Ehren des vor 10 Jahren in Genua gestorbenen Carlo Giuliani kam es am Samstagabend zu Ausschreitungen. Auch ein Pressefotograf wurde festgenommen.
Bei der nicht angemeldeten Demonstration zu Ehren des vor 10 Jahren in Genua gestorbenen Carlo Giuliani kam es am Samstagabend zu...Foto: dpa

Kreuzberg,Waldemarstraße,Mariannenplatz,Carlo-Giuliani-Demo,Festnahme,Pressefotograf,Björn KietzmannDie Polizei wirft dem Pressefotografen Björn Kietzmann "Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz" vor. Er soll währen der Carlo-Giuliani-Demo in Kreuzberg gegen kurz vor 23 Uhr einen Böller nahe dem Mariannenplatz auf ein Auto geworfen haben. Polizeibeamte hätten den 30-Jährigen dabei beobachtet, sagte ein Ermittler dem Tagesspiegel. Daraufhin sei der Mann vorläufig festgenommen und nach der Bearbeitung der Formalitäten in der Nacht wieder freigelassen worden.

Björn Kietzmann weist die Vorwürfe als "absurd" zurück. Dem Tagesspiegel schildert der Pressefotograf, der für verschiedene Medien tätig ist, das Geschehen so: "Ich stand mit anderen Fotografenkollegen in der Waldemarstraße, als plötzlich ein Böller flog und an einem Auto explodierte." Er habe dem Ganzen nicht weiter Beachtung geschenkt, da in der Nacht der Demonstration massenweise Böller flogen. Als er mit seinen Kollegen gerade in Richtung Feuerwehrdenkmal weitergehen wollte, sei er plötzlich von mehreren Beamten von hinten zu Boden gedrückt und festgenommen worden. Wie üblich bei derartigen Demonstrationen habe der Fotograf einen schwarzen Helm zum Schutz getragen, auf dem sowohl an den Seiten als auch hinten mit der Aufschrift "Presse" gekennzeichnet war. "Ich habe denen versucht zu erklären, dass ich hier nur meine Arbeit mache, aber man sagte mir, ich hätte eine Straftat begangen. Dann wurde ich mitgenommen zu einem Polizeiwagen und dort rund zwei Stunden festgehalten. Danach brachten sie mich in die Gefangenensammelstelle, wo ich morgens um sieben wieder frei kam", schildert Kietzmann. Ein Beamter habe ihn aufgeklärt, dass er bei der Tat beobachtet worden sei und man nun wegen "Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion" gegen ihn ermittele. Kietzmann glaubt an eine Verwechslung. "Meine Kollegen können ja bezeugen, dass ich keinen Böller geworfen habe. Außerdem hatte ich nicht einmal ein Feuerzeug bei mir. Ich bin Nichtraucher", beteuert er. Ein Beamter habe ihm bei der Aufnahme der Personalien gesagt, dass die Polizei sicher sein "den Richtigen erwischt zu haben" und habe dann auch auf ein Verfahren vor mehreren Jahren angespielt: Da war Kietzmann im Januar 2005 während einer Anti-Hartz-IV-Demonstration wegen Vermummung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Dem Tagesspiegel erklärte der Fotograf, dass er sich damals nicht vermummt habe, sondern seinen Schal ins Gesicht gezogen habe, "weil es so kalt war". Der Vorwurf des Widerstands resultiere daraus, dass er sich in einer "unfriedlichen Menge" befunden habe.

Die Polizei äußert sich nicht zu Details im aktuellen Fall, da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt. Kietzmann will sich nun Hilfe bei der Journalistengewerkschaft von Verdi holen.

Bei der nicht angemeldeten Demonstration am Samstagabend in Kreuzberg waren rund 500 Polizisten mit Steinen, Flaschen, Böllern und Zwillen attackiert worden. Insgesamt 33 Menschen waren bei der Auseinandersetzung festgenommen worden. Die Demo sollte an den vor zehn Jahren bei Straßenschlachten in Genua erschossenen Carlo Giuliani erinnern und stand unter dem Motto "Rache für Carlo". Auf einschlägigen Internetseiten der linken Szene war dafür mobilisiert worden.

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