Festnahme : Getötetes Baby: Vater nun doch in U-Haft

Ein 17-jähriger Vater, der seine sieben Monate alte Tochter zu Tode geschüttelt haben soll, ist nun doch in Untersuchungshaft. Nach der Tat war er zunächst auf freiem Fuß - doch nun haben sich die juristischen Umstände geändert.

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In der Nacht zu Freitag hat die Berliner Polizei einen 17-Jährigen verhaftet, der im Verdacht steht, seine Tochter zu Tode geschüttelt zu haben. Das sieben Monate alte Mädchen starb am Mittwoch im Krankenhaus, in das es, wie berichtet, am 5.September mit lebensgefährlichen Verletzungen – unter anderem einer Blutung im Gehirn – gebracht worden war.

Der Verdacht richtete sich schnell gegen den 17-jährigen Vater des Mädchens, der festgenommen wurde. Der Haftrichter ließ ihn aber wieder laufen, weil er in festen sozialen Bindungen lebe. Ermittelt wurde zunächst wegen versuchten Totschlags, als das Mädchen noch im Krankenhaus behandelt wurde. Mit dem Tod des Opfers änderte sich aber die Sachlage: Der Verdacht lautet nun auf vollendeten Totschlag, ein schwerer wiegendes Delikt. Folgerichtig wurde der Verdächtige in der Nacht zu Freitag in U-Haft genommen, wie Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, mitteilte. Die bevorstehende Verhaftung habe man im Vorfeld nicht mitgeteilt, damit der Verdächtige nicht fliehe.

Besonders tragisch an dem Fall ist, dass die Behörden bereits vor dem 6. September wussten, dass das Kind misshandelt wird. Nach Aussagen des Neuköllner Jugendstadtrats Falko Liecke (CDU) lebte die aus Neukölln stammende 18-jährige Mutter in dem betreuten Wohnprojekt des Vereins „Leben Lernen“ in Schöneberg, in dem sich auch die Tat ereignete. Drei Wochen zuvor hätten Betreuer blaue Flecke am Baby festgestellt und das Jugendamt informiert. Das habe Ende August mit dem Träger vereinbart, dass das Kind täglich einem Betreuer vorgestellt werden müsse, davon zweimal in der Woche unbekleidet. Dem Vater, auf den damals schon der Verdacht fiel, sei verboten worden, das Kind alleine zu sehen.

Der Träger des Vereins habe dies nicht kontrolliert, sagte Liecke, kündigte aber auch eine interne Prüfung im Jugendamt Neukölln an. Denn auch das hätte die Auflagen kontrollieren müssen. Die Zusammenarbeit mit „Leben Lernen“ hat Liecke beendet, dort wollte sich gestern niemand zu den Vorwürfen äußern. „Wir stehen alle unter Schock“, hieß es.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus, dass zwei Mitarbeitern des Trägers gekündigt worden sei. Sie forderte erneut eine lückenlose Aufklärung des Falles. Außerdem „wird untersucht, ob weitere Personen die Tat begünstigt haben könnten“, sagte Steltner.

Die Senatorin verwies auf das Netzwerk Kinderschutz, das gegründet worden sei, um eigentlich solche Misshandlungsfälle mit Todesfolge von Kindern zu verhindern. Es müsse dafür genutzt werden, zum Beispiel Ärzte und Betreuer weiter zu qualifizieren.

Das Baby ist bereits das zweite Berliner Kleinkind, das in diesem Jahr offenbar an Folgen von Misshandlungen starb. Im Februar war die zweijährige Zoe aus Weißensee einer durch äußere Gewalt verursachten Bauchfellentzündung erlegen – obwohl ihre Familie ebenfalls betreut wurde. Damals gab es viel Kritik an den Kürzungen im Sozialbereich. „Vergeblich“, sagt die grüne Sozialstadträtin von Tempelhof-Schöneberg, Sybill Klotz: „Es wird weiter gnadenlos gespart. So haben wir ein Personalproblem an der Schnittstelle von Jugendämtern und freien Trägern, die ebenfalls unter großem finanziellen Druck stehen.“

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