Flucht aus Klinik in Berlin : 38-Jähriger zu insgesamt vier Jahren Haft verurteilt

Sönmez B. wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Schon wieder floh der 33-jährige Wiederholungstäter nämlich aus dem Maßregelvollzug - den Fluchtwagen fuhr sein großer Bruder.

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Die Brüder sorgten für eine hollywoodreife Flucht. Erst simulierte der inhaftierte Sönmez B., krümmte sich und schrie, bis man ihn aus dem Maßregelvollzug in Berlin-Buch in die nahe gelegene Helios-Klinik brachte. Dann lief er seinen Bewachern trotz der Handfesseln davon und hechtete kopfüber in einen Mercedes. Es war sein großer Bruder Ulusoy B., der am Steuer saß und davonraste. Als kriminelles Duo aber waren sie nie perfekt. „Ich stand unter dem Einfluss meines kleinen Bruders, er setzte mich unter Druck, bedrängte mich“, sagte der 38-jährige B. am Mittwoch vor einem Amtsrichter.

Das Gericht musste nicht lange fragen, Zeugen waren nicht erforderlich. Ulusoy B. hatte sich sechs Monate nach der spektakulären Flucht in der Nacht zum 18. Oktober 2010 der Polizei gestellt. Er machte reinen Tisch, gestand einen Überfall auf einen Juwelier und einen Einbruch. Sein kleiner Bruder habe nicht aufgehört, kriminell zu sein, sagte der Angeklagte. „Hilf mir“, habe er verlangt. Ulusoy B. will unter der Knute des Jüngeren gestanden haben. „Aber ich hatte Angst, ich wollte ein ganz normales Leben.“

Sönmez B., 33 Jahre alt, ist ein verurteilter Vergewaltiger, Räuber, Dieb. Im Juli 2010 hatte er knapp fünf Jahre Haft erhalten. Wegen Drogensucht ordnete das Gericht seine Unterbringung im Maßregelvollzug an. Er gilt als gefährlich. Nach seiner Flucht wurde er erst im Februar 2011 in Ungarn gefasst. Wieder kam er in den Maßregelvollzug – und entkam im Juli 2011 erneut. Diesmal für zehn Tage.

„Ihn zu befreien ist ein dicker Hund“, hielt der Richter dem großen Bruder vor. Er nickte. „Unverzeihlich“, sagte der Bauunternehmer. Es ist kein Lippenbekenntnis. B. ist mit seinem Geständnis auf Distanz zum Bruder gegangen. Er belastete sich und ihn. Die Familie brach den Kontakt ab. Und er büßte seine Freiheit ein. Im Herbst 2011 stand er gemeinsam mit seinem kleinen Bruder als Juwelenräuber vor Gericht und bekam dreieinhalb Jahre Haft. Die Gefangenenbefreiung führte nun zur Erhöhung auf insgesamt vier Jahre Gefängnis. Ein Freund von Ulusoy B., der mit im Fluchtauto saß, erhielt als Helfer neun Monate auf Bewährung.

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