Freispruch für 24-jährigen Messerstecher : Blutiger Streit ums Parken in zweiter Reihe

Fünf Monate dauerte der Prozess gegen Tahir Ö., der im Streit um seinen falsch geparkten BMW plötzlich ein Messer zog und seinen Kontrahenten lebensgefährlich verletzte. Jetzt hat das Gericht entschieden: Der Angeklagte handelte aus Notwehr.

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Berlin - Ein BMW-Fahrer stand mit seinem Wagen in der zweiten Reihe und blockierte die Straße. Einem Nissan-Fahrer platzte der Kragen. Erst brüllte er, dann wurde er handgreiflich. Bis BMW-Fahrer Tahir Ö. ein Messer zog und den aufgebrachten Autofahrer lebensgefährlich verletzte. Fünf Monate lang lief der Prozess wegen versuchten Totschlags. „Wir können ihm nicht widerlegen, dass er in Notwehr handelte“, entschieden die Richter am Freitag. Doch als ein „unverbesserlicher Verkehrsstraftäter“, der ohne Führerschein fuhr, soll Ö. 1200 Euro Strafe zahlen.

Der 24-jährige Ö., der noch nie eine Fahrerlaubnis besaß, parkte ordnungswidrig. Ein 32-jähriger Nissan-Fahrer kam am 1. September 2010 nur mit Mühe an dem BMW vorbei. Statt die Fahrt auf der Utrechter Straße in Wedding fortzusetzen, wollte der Blockierte das Recht wohl selber in die Hand nehmen. Der kräftig gebaute Mann sprang auf die Straße.

„Er hat jede Stufe der Auseinandersetzung initiiert“, hieß es im Urteil. „Er hat die verbale Auseinandersetzung in eine körperliche gesteigert.“ Es kam zu einer Prügelei. Der Nissan-Fahrer sei dem Angeklagten auch körperlich überlegen gewesen. Ein unbeteiligter Zeuge hatte im Prozess beschrieben, dass „der Große den Kleinen“ im Schwitzkasten hatte. Ö. habe in einer massiven Attacke das Messer gezogen, stand für das Gericht fest. „Das Notwehrrecht ist stark“, sagte der Vorsitzende Richter. Freispruch also im Zusammenhang mit den Stichen, die Bauch und Oberschenkel trafen.

Tahir Ö. soll den BMW erst wenige Tage zuvor auf der Straße erworben haben. Er war nach eigenen Angaben am Tattag mit zwei weiteren Männern unterwegs, um einen Hund zu kaufen. Im Prozess gab Ö. zu, dass er nach dem Streit in den BMW stieg und wegfuhr. Erst nach längeren Ermittlungen wurde er festgenommen. Zehn Monate saß der Mann aus Reinickendorf, der zuletzt arbeitslos war und wegen Gewalttaten sowie als Verkehrssünder vorbestraft ist, in Haft. Die Fahrt ohne Führerschein nach dem Streit war nicht Teil der Anklage. Der Verteidiger verlangte deshalb einen kompletten Freispruch. Die Anklage hatte die Messerstiche als gefährliche Körperverletzung bewertet und eine Gesamtstrafe von drei Jahren Haft gefordert. Die Richter stimmten ihm nur bei der Fahrt ohne Führerschein zu.

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