Friedrichshain : Fußgänger von rechten Schlägern fast totgeprügelt

Sie legen den Kopf ihres Opfers auf den Gehweg und treten zu: Mit großer Brutalität haben vier Männer aus der rechten Szene einem Mann schwerste Verletzungen zugefügt. Berlins Innensenator Körting ist schockiert.

Tanja Buntrock,André Görke

Vier Männer aus der rechten Szene haben am Sonntagmorgen einen 22-Jährigen in Friedrichshain fast totgeschlagen. Das Opfer, ein Neuköllner, kam mit einem Jochbeinbruch, schweren Prellungen und Hirnblutungen in ein Krankenhaus. Der junge Mann, ein Deutscher, wurde offenbar zufällig ausgewählt und brutal gequält, aus Wut und Frust der rechtsextremen Täter nach einem Streit mit einer Gruppe von Linken. Sie traten und schlugen auf ihr Opfer so lange ein, bis er das Bewusstsein verlor. Einer der Täter zog das Opfer danach auf den Gehweg, legte es mit dem Gesicht nach unten und trat ihm gegen den Hinterkopf.

Es war gegen 5.45 Uhr, als die vier mutmaßlichen Täter – 20, 22, 24 und 26 Jahre alt – auf einem Verbindungsweg zwischen dem U-Bahnhof und dem S-Bahnhof Frankfurter Allee unterwegs waren. Dort stritten sie zunächst mit etwa zehn jungen Männern aus dem „linken Spektrum“, hieß es bei der Polizei. Dann flogen die Fäuste. Dabei erlitt ein 26-Jähriger aus der Gruppe der Rechtsextremen eine Platzwunde. Auslöser der Auseinandersetzung war wohl das Outfit des Mannes. Der 26-Jährige trug, so die Polizei, Kleidung des Labels Thor Steinar, das vor allem in der rechten Szene populär ist.

Nachdem die Linken weg waren, sollen die vier Rechten Streit mit anderen Passanten gesucht haben. Dabei trafen sie zunächst auf vier unbekannte junge Männer, schlugen und traten sie. Die Angegriffenen konnten vor der aggressiven Gruppe flüchten.

Doch dann fanden die Täter ein weiteres Opfer: den 22-Jährigen, der arglos den Verbindungsweg entlangkam. Wie es bei der Polizei hieß, sei es der 26-Jährige aus der rechten Gruppe gewesen, der den Mann so brutal attackierte. Sowohl die vier Täter als auch das Opfer waren alkoholisiert.

Unbeteiligte Zeugen alarmierten die Polizei. Die Beamten nahmen die Schläger noch am Tatort fest. Sie werden am heutigen Montag wegen versuchten Totschlags einem Haftrichter vorgeführt. Die Männer sind, so die Polizei, „einschlägig bekannt“ und können der rechten Szene zugeordnet werden.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) äußerte sich am Sonntagabend schockiert. „Dies ist ein schrecklicher Vorgang, der aufs Schärfste zu verurteilen ist“, sagte er. Die Tat zeige, wohin es führen könne, wenn Gewalt zur politischen Auseinandersetzung gebraucht wird.

Die Ermittler des Staatsschutzes suchen weitere Zeugen – vor allem jene vier jungen Männer, die flüchten konnten. Hinweise erbittet die Polizei unter der Rufnummer 4664 909 040.

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