Friedrichshain : Schwerbewaffnet zur Rockerparty

Sieben Stunden lang haben am Sonnabend Polizisten jeden kontrolliert, der auf die Hells-Angels-Feier am Markgrafendamm wollte. Dabei wurden zahlreiche Waffen und Drogen gefunden.

Werner Kurzlechner

Berlin/Cottbus – Die Polizei verschärft ihren Kampf gegen Gewalt und Drogenhandel im Rockermilieu. Am Wochenende stellten die Ermittler bei zwei Großrazzien Waffen und Drogen sicher. Einen Tag nach einer Aktion im Umfeld der „Bandidos“ – wir berichteten – wurden die Ermittler am Sonnabend auch bei einem Treffen der „Hells Angels“ fündig. Nach Angaben der Polizei feierte die als gewalttätig bekannte Gruppierung auf einem Gelände am Markgrafendamm in Friedrichshain das achtjährige Bestehen ihrer Untergruppierung „Nomads“.

Sieben Stunden lang überprüften Beamte des Landeskriminalamtes und der Bundespolizei sowie Polizisten aus Potsdam und Cottbus jeden, der auf die Feier wollte. Insgesamt kontrollierten rund 190 Polizisten 308 Personen und 71 Fahrzeuge. Dabei fanden die Ermittler zahlreiche Waffen und Drogen. Ein Rocker wurde festgenommen, weil gegen ihn ein Haftbefehl vorlag. Gegen mehrere weitere Personen ergingen Strafanzeigen.

Drogen und Schusswaffen hatten die Ermittler bereits bei einer Großrazzia in der Nacht zum Sonnabend sichergestellt – unter anderem drei scharfe Pistolen, eine abgesägte Schrotflinte, 250 Gramm Kokain und mehr als neun Kilogramm Amphetamin. Von Freitagabend bis Sonnabendfrüh durchsuchten 260 Polizisten 29 Örtlichkeiten, davon eine in Brandenburg. Elf Haftbefehle wurden vollstreckt, drei weitere Personen festgenommen. Diese Aktion spielte sich im Umfeld des Motorradclubs Bandidos ab, dessen Mitglieder sich mit den Hells Angels immer wieder brutale Gefechte liefern.

Ein von den Ermittlern als einer von zwei Drahtziehern des bandenmäßigen Drogenhandels verdächtigter Täter soll ein Suchttherapiezentrum in Treptow betrieben haben. Die Verbindung des 34-jährigen Bandidos-Mitglieds zu der Einrichtung werde noch untersucht, sagte ein Polizeisprecher gestern. Das gelte auch für die Frage, ob der Mann womöglich seine Stellung missbraucht hat, um Drogen an Menschen auf dem Weg in ein suchtfreies Leben zu verkaufen.

Bandidos und Hells Angels geraten immer wieder durch schwere Gewalttaten ins Visier der Ermittler. Seit zwei Jahren tobt zwischen beiden Gruppierungen ein erbitterter Bandenkrieg. Seit Anfang Oktober steht das Bandidos-Mitglied André S. in Cottbus vor Gericht. Er hat im Februar 2007 mit einer halbautomatischen Selbstladepistole auf Rocker der Hells Angels geschossen. Ein Mann wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Der Angeklagte gab die Schüsse in der Verhandlung zu. Er behauptet aber, in Notwehr gehandelt zu haben. Der Prozess wird am heutigen Montag fortgesetzt, ein Urteil wird in der kommenden Woche erwartet.

Auch in Berlin treffen die verfeindeten Banden immer wieder aufeinander. Anfang September begann ein Prozess gegen fünf Mitglieder der Hells Angels, die im Mai 2007 in Hohenschönhausen einen Bandido angegriffen haben sollen. Ende September beschlagnahmte die Polizei auf einem Fest der Bandidos am Reinickendorfer Quickbornweg neun Schlagwaffen und Messer. Etwa 100 Beamte kontrollierten damals 175 Rocker und 61 Fahrzeuge. Als Fehlschlag erwies sich indes eine Polizeiaktion gegen die Bandidos in Pankow im September 2007. Zwar stellten die Beamten auch dort Macheten, Messer und Schlagstöcke sicher. Die Polizei hatte aber keinen richterlichen Durchsuchungsbefehl. Deshalb erklärte das Verwaltungsgericht diese Aktion für rechtswidrig.

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