Friedrichshain : Steinwürfe und Festnahmen nach linker Demonstration

Rund 2000 linke Demonstranten gedachten am Abend in Berlin des 1992 von einem Neonazi getöteten Hausbesetzers Silvio Meier. Nach der vorzeitigen Auflösung des Protestzugs warfen Randalierer Steine. Es gab siebzehn Festnahmen, acht Polizisten wurden leicht verletzt.

Jörn Hasselmann
Ausschreitungen bei Gedenken an Neonazi-Opfer Silvio Meier
Rotes Friedrichshain. Linke machen sich bemerkbar. -Foto: ddp

Die Aktionen seien sehr vereinzelt und sehr kurzzeitig gewesen, sagte ein Polizeisprecher am späten Abend.

Etwa 2000 Menschen beteiligten sich an dem zunächst friedlichen Gedenken, das am Nachmittag mit einer Mahnwache begonnen hatte. Mehr als 700 Polizisten waren im Einsatz, da Ausschreitungen befürchtet wurden. So hatte die Festnahme eines 23-jährigen mutmaßlichen Autobrandstifters in der vergangenen Woche die Stimmung in der linken Szene angeheizt. Tobias P. soll zwei hochwertige Autos angezündet haben. Da er in dem linken Hausprojekt „Liebig 14“ gemeldet sein soll, durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft dieses Haus – von der Szene wurde das als Kriegserklärung gewertet.

Zu den Ausschreitungen kam es, als die Organisatoren gegen 18.30 Uhr – auch für die Polizei – überraschend vom Lautsprecherwagen verkündeten, dass die Demonstration nun beendet sei. Da waren die Teilnehmer noch etwa einem Kilometer von ihrem Ziel, dem S-Bahnhof Warschauer Straße, entfernt. So löste sich der Protestzug ausgerechnet an der Grünberger Straße, Ecke Simon-Dach-Straße auf – dort, wo sich die bei den Linken verhassten und auch schon attackierten „Schickeria-Kneipen" befinden. Prompt kam es zu Ausschreitungen, die von der Polizei aber schnell beendet wurden. Ein Polizeisprecher schätzte die Situation in Friedrichshain am späten Abend als „wieder ruhig und friedlich“ ein. Vorwürfe der Veranstalter, wonach die Polizei brutal gegen Demonstranten vorgegangen sei, seien ihm nicht bekannt. Daher könne er sich dazu nicht äußern.

Organisiert worden war die Demonstration wieder von einem Bündnis aus Antifa- und Hausbesetzergruppen. Als offizielle Anmelderin fungierte wie im Vorjahr die Abgeordnete der Linkspartei, Evrim Baba. Auf ihrer Homepage wehrt sie sich gegen die Gleichsetzung von Links- und Rechtsextremismus. „Im Sommer diesen Jahres wurde ein Linker von Neonazis am S-Bahnhof Frankfurter Allee fast totgeschlagen. Das zeigt, dass ein antifaschistischer Selbstschutz nötig ist“, heißt es auf ihrer Seite weiter. Wie dieser auszusehen hat, führt Baba nicht aus. Polizeipräsident Dieter Glietsch, Verfassungsschutzchefin Claudia Schmid und Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatten mehrfach an die Linkspartei appelliert, sich stärker von Linksextremisten abzugrenzen.

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