Friedrichshain : Wieder ein Angriff auf die Liebig 14

Erneut haben linksautonome Aktivisten das ehemals besetzte Haus in der Liebigstraße 14 angegriffen und beschädigt. 20 vermummte Personen bewarfen die Fassade mit Pflastersteinen.

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Erst gestern waren Unbekannte über das Dach in das im Februar von der Polizei geräumte Gebäude eingedrungen und hatten erheblichen Schaden angerichtet – auch im Nachbarhaus.

20 vermummte Personen sollen am frühen Sonntagmorgen mit mehreren Fahrzeugen vor der Liebig 14 Stellung bezogen haben. Wie die Polizei mitteilte, hätten die Unbekannten die Fassade mit etlichen kleinen Pflastersteinen beworfen. Dabei seien mehrere Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Anschließend flüchteten die Täter unerkannt.

Ein Sprecher der ehemaligen Bewohner der Liebig 14, die sich immer noch als Kollektiv bezeichnen und bis zuletzt für den Erhalt ihres Wohnprojektes kämpften, wies gegenüber dem Tagesspiegel die Verantwortung für die Vorfälle von sich. Bei den Angriffen handele es sich seinen Angaben zufolge nicht um eine neue Kampagne der Protestbewegung. "Das sind gezielte Aktionen, zu denen sich einzelne Menschen zusammenfinden, weil sie wütend über Mietsteigerung und Vertreibung sind", sagte der Sprecher. Bei der Polizei hat nun der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Auch in der Nacht zu Samstag waren die mutmaßlich linksautonomen Aktivisten der Polizei entkommen. Sie kletterten über die Dächer der Nachbarhäuser bis zur Liebig 14 und öffneten gewaltsam eine Dachluke. Nachdem sie sich Zugang verschafft hatten, deckten sie das Dach ab, klauten Ziegel und verwüsteten den Dachstuhl. Dabei wurden mehrere tragende Balken angesägt. So dass die Feuerwehr bis in die frühen Morgenstunden mit Abstützarbeiten beschäftigt war.

Weil der Dachboden mit den angrenzenden Häusern verbunden ist, kam es vor allem im Nachbarhaus der Rigaer Straße 96 zu erheblichen Schäden. Die Einbrecher hatten mehrere Heizungsrohre kaputt getreten. Mehrere Hundert Liter Wasser strömten in das Gebäude und verursachten Wasserschäden in den oberen Stockwerken. Anwohner waren bis zum Morgen damit beschäftigt ihre Sachen in Sicherheit zu bringen.

Wie die Liebig 14 gehört auch das Haus in der Rigaer Straße 96 zur Lila GbR mit den beiden Gesellschaftern Suitbert Beulker und Edwin Thöne. Die hatten die Häuser im Januar 1999 erworben. Seitdem kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen dem neuen Vermieter und den Bewohnern des Anfang der 90er Jahre besetzten Hauses in der Liebigstraße. Der Streit fand seinen vorläufigen Höhepunkt als die Bewohner vor der polizeilichen Räumung der Liebig 14 im Februar das Gebäude komplett verwüsteten und verbarrikadierten.

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