Fußball : Polizei will keine Dresdener Fans beim Union-Spiel

Hooligans hatten in der Vergangenheit randaliert. Deshalb sollen die Sachsen keine Karten erhalten – zum Ärger des Berliner Klubs.

Jörn Hasselmann

BerlinDie Berliner Polizei hat dem Fußballverein 1. FC Union verboten, beim Spiel gegen Dynamo Dresden Anfang Mai Karten an Gästefans zu verkaufen. Damit sollen Ausschreitungen wie bei vorangegangenen Begegnungen zwischen rivalisierenden Fangruppen verhindert werden. In der vergangenen Saison hatte die Polizei 1350 Beamte aufbieten müssen, um die 3000 aus Dresden anreisenden Fans von den Unionern zu trennen. Weite Teile von Köpenick waren von der Polizei hermetisch abgeriegelt worden. Nun haben die sächsischen Behörden Erkenntnisse nach Berlin übermittelt, nach denen die bundesweit berüchtigten Dynamo-Hooligans beim Drittligaspiel in Berlin auf Krawall aus seien. In Sachsen sind 100 Dynamo-Fans in der höchsten Kategorie C ("gewaltsuchend") eingestuft.

Der Präsident des 1. FC Union kritisierte das Verbot gestern als "Bankrotterklärung" der Polizei. "Wegen 100 bis 150 Gewaltbereiten werden 3000 Fans bestraft", sagte Dirk Zingler. Der Brief des Polizeipräsidenten sei am Freitag eingegangen. Am Mittwoch wollen sich die Vereins- und Polizeiführung zu einem Gespräch treffen. Sollte es bei einem Verbot bleiben, kündigte der Vereinspräsident an, auf jeden Fall dagegen zu klagen. Ein Kartenverkaufsverbot sei nicht durchsetzbar, sagte Zingler: "Die, die kommen wollen, besorgen sich dann auf anderem Wege Karten." Zingler sprach von einem bundesweit einmaligen Präzedenzfall. "Als Nächstes verbietet der Frankfurter Polizeipräsident den Nürnberger Fans die Anreise." Genau dieses Erstligaspiel hatte jüngst nach Ausschreitungen unterbrochen werden müssen. Die Berliner Polizeiführung dagegen sieht "das öffentliche Interesse gewahrt", da das Spiel vom RBB live im Fernsehen übertragen werden soll.

Überraschend kommt das Verbot indes nicht. Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte mehrfach ein schärferes Vorgehen gegen Vereine mit gewaltbereiten Fans gefordert. Sogar ein Verbot von "besonders störanfälligen Spielen" sei denkbar, hatte Glietsch im August den Verein BFC Dynamo gewarnt. Vorangegangen war im Mai 2006 ein wegen massiver Krawalle abgebrochenes Spiel zwischen Union und dem BFC.

Seit Oktober 2006 ist zudem das Verhältnis zwischen Dynamo Dresden und der Berliner Polizei zerrüttet. Beim Spiel gegen Hertha BSC II hatten Dresdner Hooligans erst exzessiv Berliner Polizisten attackiert – am nächsten Tag hatte die Vereinsführung der Polizei dann ein "überhartes Vorgehen" vorgeworfen. Glietsch hatte dem Dynamo-Geschäftsführer Volkmar Köster daraufhin "Ignoranz und Arroganz" vorgeworfen. Bei dem Spiel waren 38 Menschen verletzt worden, darunter 23 Polizisten. 22 Hooligans aus Sachsen waren festgenommen worden. Seitdem hat Glietsch immer wieder kritisiert, dass "es dem Steuerzahler auf Dauer nicht zuzumuten ist, dass Fußballspiele dieser Art mit derart hohem Aufwand polizeilich begleitet werden müssen". Beim letzten Spiel Union gegen Dresden waren das 1350 Beamte, darunter Spezialeinheiten, Wasserwerfer und Hundestaffeln. Beim DFB-Pokalendspiel am Sonnabend waren nur 1000 Polizisten im Einsatz – trotz 74 000 Besuchern im Olympiastadion und 200 000 Menschen auf der Fanmeile.

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