Gefährliche Mischung : Terroralarm mitten in Berlin

Razzien in Wedding und Neukölln – und plötzlich ist ein großes, schreckliches Wort zu hören: Terroralarm. So kurz vor dem 9/11-Jahrestag, den Berlin-Wahlen, dem Papstbesuch. Die Geschichte hinter dem Wort ist zwar eine Nummer kleiner. Aber nicht harmlos.

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Mit dem Rammbock unterwegs: Am 8. September 2011 durchsuchten Polizisten die Ar-Rahman-Moschee.Alle Bilder anzeigen
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08.09.2011 19:28Mit dem Rammbock unterwegs: Am 8. September 2011 durchsuchten Polizisten die Ar-Rahman-Moschee.

Die Tromsöer Straße im Berliner Stadtteil Wedding ist keine feine Adresse. Sie liegt in einem alten Industriegebiet, die Häuser sind mit Backstein verkleidet, vereinzelt sind darin noch Schussspuren aus dem Krieg zu erkennen. Hier haben sich Kleingewerbe und Künstler eingerichtet, ein indisch-pakistanischer Lebensmittelmarkt und eine Moschee. Am Eingang sind auf einem Schild kunstvoll geschwungene, arabische Buchstaben zu sehen und die Inschrift „IKRA – Islamisches Kulturzentrum für religiöse Aufklärung e.V.“ Auf einem anderen Schild steht zudem „Ar-Rahman-Moschee 2. OG“.

Es ist ein schläfriger Donnerstagmorgen, nur wenige Leute sind unterwegs, als plötzlich Martinshörner ertönen. Um zehn Uhr zehn biegt eine Kolonne Polizeitransporter in die Tromsöer Straße ein. Die etwa ein Dutzend Fahrzeuge rauschen an dem kleinen Platz mit dem Imbiss vorbei, auf dessen Speisekarte „Chicken Nuggets halal“ angeboten werden, islamisch korrekt zubereitete Hühnerhappen. Beamte in Kampfkleidung springen aus den Fahrzeugen und stürmen in den Eingang mit dem IKRA-Schild. Andere Polizisten sperren die Straße mit rot-weißem Flatterband ab, Passanten bleiben stehen und blicken erstaunt. Nach und nach kommen auch Fotografen und Kamerateams, sie dürfen unter dem Flatterband durchschlüpfen, und plötzlich ist ein großes, schreckliches Wort überall zu hören: Terroralarm. Mitten in Berlin. Und das so kurz vor dem zehnten Jahrestag von 9/11. Und zehn Tage vor den Berliner Wahlen. Und zwei Wochen vor dem Besuch des Papstes. Die Geschichte hinter dem Wort ist zwar eine Nummer kleiner. Harmlos ist sie jedoch nicht.

In der Moschee haben sich häufig zwei junge Islamisten getroffen, denen die Staatsanwaltschaft vorwirft, sie hätten eine Bombe bauen wollen. Die Räume des islamischen Kulturzentrums wurden nur durchsucht, weil sich die beiden Beschuldigten dort mehrmals aufgehalten haben. Es werde nicht gegen den Verein oder dessen Vorstand ermittelt, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die beiden jungen Männer sind Samir M., ein 24 Jahre alter, aus dem Libanon stammender Deutscher, und der vier Jahre ältere Hani N., der aus dem Gaza-Streifen in die Bundesrepublik kam und in der Neuköllner High-Deck-Siedlung wohnt – wo am Donnerstagmorgen ebenfalls ein Großeinsatz der Polizei stattfand.

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