Gefährlicher Sexualstraftäter : Missbrauch an einem Kind nach 17 Jahren aufgeklärt

Vor 17 Jahren überraschte Alexander L. eine damals 13-Jährige in ihrer Wohnung und missbrauchte sie. Nun wurde der Täter durch neu ausgewertete DNA-Spuren überführt.

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Der Sexualstraftäter freute sich gerade über Lockerungen und Ausgang aus der Gerichtspsychiatrie, als seine fünfte furchtbare Tat aufgeklärt wurde. Vor mehr als 17 Jahren war Alexander L. in eine Wohnung in Steglitz eingestiegen. Er wollte sich „eine Frau holen“. Er traf ein Mädchen an, das allein zu Hause war. Er wollte die 13-Jährige vergewaltigen, missbrauchte sie. 2010 wurden damals gesicherte minimale Spuren erneut analysiert. Der DNA-Abgleich führte aufgrund verfeinerter Methoden zum Treffer. Kurz darauf wurden alle Maßnahmen, durch die L. auf eine Entlassung aus der Psychiatrie hoffen konnte, sofort gestoppt.

„Als ich über den Balkon einstieg, hatte ich keine Ahnung, wer da lebt“, sagte der heute 38-Jährige am Dienstag vor Gericht. Geld habe er auch gebraucht, es sei aber nicht wichtig gewesen. Er hatte wieder den Drang verspürt, eine Frau zu vergewaltigten. Mit einem Kind habe er nicht gerechnet, sagte der Angeklagte. Er befahl dem völlig verängstigten Mädchen, sich auf den Boden zu legen, fesselte sie und verband ihr die Augen. „Ich fing mit Oralverkehr an“, gestand Alexander L. den Übergriff am Abend des 25. Mai 1995.

Das Mädchen von damals saß als Nebenklägerin mit im Saal. Sein Geständnis ersparte ihr viele quälende Fragen. „Ich konnte danach nicht mehr alleine zu Hause sein“, sagte sie. Türen und Fenster müssen bis heute gut verschlossen sein. Sie habe das ständig kontrolliert. Ihre Eltern hatten ihr damals einen Hund geschenkt. „Mit ihm fühlte ich mich etwas sicherer“, erinnerte sich die heute 31-jährige Ingenieurin.

Alexander L. ist ein gefährlicher Sexualtäter. Er war 16 Jahre alt, als er in eine Wohnung einstieg und eine Frau vergewaltigte. Drei Jahre Haft erhielt er und kam anschließend in die Psychiatrie. Ende 1993 ging man davon aus, dass er keine Gefahr mehr darstellt. Doch Alexander L. drang in das Haus einer zweifachen Mutter ein, fiel mit einem Messer in der Hand über die Frau her. Er stieg in Koblenz in das Haus eines Ehepaars, fesselte den 69-jährigen Mann, vergewaltigte die 72-jährige Frau. Im Mai 1995 entkam ihm eine 55-jährige Autofahrerin nur knapp. Sexualisierte Aggression und Sadismus spiele bei dem Angeklagten mit sehr schwieriger Kindheit eine Rolle, stellte ein Psychiater fest.

Seit 16 Jahren ist Alexander L. im Maßregelvollzug – derzeit in Niedersachsen. Von ihm gehe nach wie vor Gefahr aus, entschieden kürzlich Richter in Göttingen und nun in Berlin. Damit bleibt er in der Gerichtspsychiatrie. L. war 2002 für alle bis dahin bekannten Fälle zu einer Jugendstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt worden. Jetzt erhöhte das Landgericht diese Strafe auf neuneinhalb Jahre.

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