Gericht erhöht Haftstrafe : Mai-Randale: Sozialarbeiter aus Rom erhält knapp drei Jahre

Auf Freispruch hatte der Sozialarbeiter aus Rom gehofft. Doch es kam noch härter als im ersten Prozess. Cristian P. wurde als Beteiligter der Mai-Krawalle im letzten Jahr zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Damit verschärfte das Landgericht am Mittwoch die in der ersten Instanz verhängte Strafe um vier Monate. Der 30-jährige P. habe 17 Glasflaschen in Richtung Polizei geworfen, waren die Richter überzeugt und sprachen ihn erneut des schweren Landfriedensbruchs sowie der versuchten gefährlichen Körperverletzung schuldig.

Der Italiener gehört zu jenen 289 Personen, die am Abend und in der Nacht des 1. Mai 2009 nach Ausschreitungen in Kreuzberg festgenommen wurden. Um 23.09 Uhr habe Cristian P. die ersten Flaschen geworfen, hieß es in der Anklage. Zwei Polizisten hatten seine Festnahme veranlasst. Zu einer Verwechslung, wie von der Verteidigung behauptet, sei es nicht gekommen, befanden die Richter. P. habe ein schwarzes Kapuzenshirt mit einem „ganz markanten roten Aufdruck“ getragen, hieß es auch im zweiten Urteil. Die Beamten hätten den Werfer zweifelsfrei identifiziert.

Cristian P., der kurz vor dem 1. Mai 2009 nach Berlin gekommen sein soll, hat offenbar viele Freunde in der linken Szene. Als im Juli 2009 der erste Prozess begann, hatte das Amtsgericht scharfe Sicherheitsvorkehrungen veranlasst. Es reagierte damit auf einen Aufruf im Internet, in dem gegen Polizei, Politiker, Justiz gehetzt wurde. Zu Störungen kam es nicht. Mit zweieinhalb Jahren Haft endete im Oktober dieser erste Prozess. Verteidigung und Staatsanwaltschaft, die drei Jahre Haft verlangt hatte, legten Berufung ein. Diesmal sahen die Richter keine verminderte Schuldfähigkeit durch Alkohol und Drogen. Deshalb fiel die Strafe gegen P. höher aus. Allerdings kam er nach mehr als einem Jahr Untersuchungshaft gegen Meldeauflagen frei. Ein rechtskräftiges Urteil ist noch nicht in Sicht: Die Verteidigung kündigte Revision an.

Auf ein Geständnis konnte sich dagegen das Amtsgericht in einem anderen Prozess um Randale stützen. Der 24-jährige Michael F. gehörte zu einer Gruppe von 100 Personen, die während der „Action Weeks“ im Juni 2009 den stillgelegten Flughafen Tempelhof besetzen wollten. Der Maler war gegen eine Polizeikette gerannt und hatte Beamte beschimpft. Er sei in die Tumulte „reingerutscht“, erklärte sein Verteidiger. Das Gericht verurteilte ihn wegen Landfriedensbruchs und Beleidigung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Zudem soll er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. K.G.

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