Gericht verhängt Haftstrafe auf Bewährung : 72-Jährige stach Lebensgefährtin ein Auge aus

Das Martyrium der Gabriele W. dauerte 15 Jahre: Immer wieder quälte und schlug Rosemarie K. ihre 24 Jahre jüngere Lebensgefährtin. Das Gericht zeigte sich fassungslos, das Opfer aber glaubt, das Motiv zu kennen.

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Sie fand 15 Jahre lang nicht die Kraft, sich aus dem Martyrium zu befreien: Gabriele W. nahm immer wieder gewalttätige Übergriffe ihrer 24 Jahre älteren Lebenspartnerin hin. Sie blieb auch noch, als ihr die heute 72-jährige Rosemarie K. mit einer abgebrochenen Flasche das linke Auge ausgestochen hatte. „Ich hatte keinen eigenen Willen mehr“, sagte Gabriele W. am Dienstag vor Gericht.

Rentnerin K. gestand pauschal über ihren Verteidiger und erhielt zwei Jahren Haft auf Bewährung. Außerdem muss sie 30 000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Die Rentnerin sprach nicht über ihre Motive. Die 48-jährige Gabriele W. (Name geändert) aber ist sich sicher: „Sie hatte einen Hass und wollte mich entstellen, weil ich so viel jünger bin als sie.“ Am Anfang allerdings schien Rosemarie K. die Rettung für die Floristin zu sein, denn nach gescheiterter Ehe war sie in die Fänge einer Sekte in Süddeutschland geraten. „Sie holte mich da raus“, sagte die Floristin. In der Neuköllner Wohnung aber kam es zu schlimmen Szenen. Sie konnte sich nicht wehren. Gabriele W. befand sich in einer neuen Abhängigkeit.

Fünf Vorfälle wurden in der Anklage aufgelistet – es handelte sich um die Spitze des Eisberges. Im Juni 2008 ging Rosemarie K. mit einer Flasche auf Gabriele W. los und nahm ihr das linke Augenlicht. Später drosch sie der Floristin ein Teeglas gegen den Mund, verprügelte sie mit einer Flasche, sperrte sie ein. Als sie fliehen wollte, stürzte sie aus dem Fenster, zertrümmerte sich einen Fuß. Im Mai 2010 gelang ihr die Trennung. „Der Fall macht fassungslos“, sagte der Richter.

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