Geständnis : Polizisten raubten aus Frust

Zwei Bundesbeamte haben ab Dezember des Jahres 2009 mehrfach Vietnamesen angegriffen und ihnen Geld abgenommen. Ende Februar wurden die Polizisten festgenommen. Der Richter machte kein Hehl aus seiner Fassungslosigkeit beim Lesen der Anklage.

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BerlinDer langjährige Bundespolizist stöhnte: „Nur selten gab es gute und sinnvolle Einsätze.“ Er habe sich einerseits „ungebraucht“, andererseits überfordert gefühlt. „Man will helfen, was Gutes tun“, schluchzte Udo R. am Donnerstag vor dem Landgericht. Inzwischen ist der 42-Jährige aus dem Dienst ausgeschieden. Als ein schwarzes Schaf der Einheit. Gemeinsam mit einem Kollegen hatte er Vietnamesen willkürlich kontrolliert, bedroht, durchsucht und ihnen zwischen drei und 300 Euro abgenommen.

Ende Februar wurden der damalige Polizeihauptmeister R. und Polizeimeister Michael A. festgenommen. Mehrere Vietnamesen hatten sich gemeldet und von unglaublichen Übergriffen berichtet. In Uniform und mit Schlagstock bewaffnet waren die beiden Beamten ab Dezember 2009 auf Opfersuche gegangen. Zur ersten Tat kam es laut Anklage in der Nähe des S-Bahnhofs Baumschulenweg. Ein Vietnamese sollte den Ausweis zeigen und sich ans Polizeifahrzeug stellen. Sie kassierten seine Monatskarte ein.

Die beiden Angeklagten arbeiteten in der Einheit „Polizeiliche Sonderdienste“, stationiert in Treptow. Die rund 100 Frauen und Männer sorgen beispielsweise bei Demonstrationen oder Fußballspielen für Sicherheit. „Und oft ging es um die Bekämpfung des illegalen Zigarettenhandels“, sagte Udo R. Aber gerade da habe er gelitten. „Man sah keine Erfolge, wir schrieben eine Anzeige, eine Stunde später waren sie wieder da.“

Als sie sich im letzten Dezember „ohnmächtig Straftätern gegenüber“ fühlten, begann die Raubserie. „Wir haben das Geld in die eigene Tasche gesteckt“, gestand R. Zwölf Opfer bei acht Taten. Eine erbärmliche Abzocke: Die Beamten erbeuteten drei, vier, mal zehn Euro. Udo R. meinte: „Wir haben uns das Geld geteilt.“ Der Richter machte kein Hehl aus seiner Fassungslosigkeit beim Lesen der Anklage.

Sie verdienten monatlich 2400 beziehungsweise 1800 Euro netto. „Das ist doch akzeptabel“, hielt ihnen der Richter vor. „Es war eine Dummheit“, meinte der einstige Polizeihauptmeister. Der 27-jährige Michael A., der kurz vor Beginn der Taten zum Beamten auf Lebenszeit ernannt worden war, meinte, er verstehe sein damaliges Verhalten auch nicht. „Ich hatte keine Schulden, ich habe mich wohl hinreißen lassen“, nuschelte er.

Mehrfach hatten sie Sim-Karten von Handys zerstört, um Hilferufe der Opfer zu verhindern. Schläge wurden angedroht. Als ein Vietnamese nach dem Autokennzeichen sah, sei er laut Anklage von R. körperlich attackiert worden. Danach hatten sie den Mann im Dienstwagen ins Berliner Umland gebracht und nahe dem S-Bahnhof Zeuthen ausgesetzt. Ein anderer Vietnamese wollte sich gerade an einer Tankstelle Zigaretten kaufen, als ihm 18 Euro abgenommen wurden. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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