Gewalt an Schulen : Geschlagen und mit dem Handy gefilmt

Eine Welle der Gewalt scheint über die Schulen in Berlin hereinzubrechen. Gleich drei Attacken in Moabit und Neukölln und einem Wilmersdorfer Gymnasium wurden bekannt.

Jörn Hasselmann,Susanne Vieth-Entus

Nach einer Woche der Gewalt gegen Lehrer wurden gestern drei Fälle bekannt, bei denen Schüler geschlagen und verletzt wurden. Zwei Fälle ereigneten sich in sogenannten sozialen Brennpunkten in Moabit und Neukölln, einer in einem Wilmersdorfer Elitegymnasium. An der Moabiter Kurt-Tucholsky-Grundschule wurden die Schläge sogar mit einem Mobiltelefon gefilmt. Eine Elfjährige hatte auf dem Schulhof mit drei Klassenkameraden einen Zehnjährigen geschlagen und getreten. Zuvor hatte das Mädchen einem Jungen befohlen, das Ganze zu filmen. Als das Opfer auf dem Boden lag und weiter getreten wurde, stoppten Sechstklässler die Attacke.

Konrektor Gerd Combecher stellte das Handy sicher, der knapp einminütige Film wurde später von der Schulleitung gemeinsam mit der Polizei ausgewertet. Dadurch konnten drei weitere Schüler benannt werden. Alle Beteiligten, auch das Opfer, sind nach Angaben von Schulleiterin Iris Pakulat aus dem arabischen Sprachraum, alle gehen in eine fünfte Klasse. Das Opfer wurde leicht verletzt.

Eine Stunde zuvor hatte die Neuköllner Kielhorn-Schule die Polizei gerufen. Dort wurde ein 15-Jähriger von zwei schulfremden Jugendlichen in die Ecke des Pausenhofes gedrängt und bedroht: Er solle ja nicht zur Polizei gehen, sonst drohten ihm „Schläge und Schlimmeres“, wie die Polizei mitteilte. Am Freitag zuvor war dieser 15-Jährige in der Schule von einem 13-jährigen Klassenkameraden mit einer Tischtenniskelle geschlagen worden. Dabei hatte der Libanese einen Bluterguss am Kopf erlitten. Am Montag nun erzählte das Opfer seiner Schulleiterin den Vorfall vom Freitag. Diese rief die Polizei. Die beiden anderen Jugendlichen hat die Polizei noch nicht ermittelt. Wie der 13-jährige Täter und Anstifter sollen sie ebenfalls arabischer Herkunft sein. Schulleiterin Marion Seidel sagte, der 13-Jährige sei nicht der klassische Schläger, „dem ist das peinlich“. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) kündigte gestern an, dass die Schulhöfe besser vor Schulfremden gesichert werden sollen.

Nicht Schulfremde, sondern eigene Schüler waren in den Vorfall am altsprachlichen Wilmersdorfer Goethe-Gymnasium beteiligt. Direktorin Gabriele Rupprecht berichtet, dass der Täter zu einer dreiköpfigen Schülergruppe von Neuntklässlern gehört hatte, die seit einem Dreivierteljahr von Siebtklässlern gemobbt worden war. Die Situation sei vor zwei Wochen eskaliert, nachdem einer der Siebtklässler einem der Neuntklässler ein Gebäckstück entrissen und auf den Boden geworfen habe. In der darauffolgenden Hofpause habe sich der „ganze Frust der neun Monate entladen“: Der Neuntklässler schlug dem Siebtklässler ins Gesicht, das Nasenbein brach. Alle Beteiligten sind Deutsche.

Rektorin Rupprecht bedauert, dass das Mobbing-Problem nicht rechtzeitig erkannt worden war. Schüler hätten sich zwar an Lehrer gewandt, aber an verschiedene und zu verschiedenen Zeitpunkten. So sei bei den Pädagogen die „irrige Meinung“ entstanden, das Problem sei inzwischen behoben. Jetzt habe man sich vorgenommen, „aufmerksamer zu sein“. Polizei und Schulpsychologen seien eingeschaltet. Der Täter wurde etwa zwei Wochen vom Unterricht suspendiert. Zudem sei die Androhung eines Verweises „in Arbeit“, sagte Rupprecht. Sie wies den Vorwurf aus der Elternschaft zurück, wonach zum Zeitpunkt des Vorfalls eine Hofaufsicht gefehlt habe.

In den vergangenen Tagen waren in drei Schulen Lehrer angegriffen oder bedroht worden: In der Tempelhofer Hammarskjöld-Realschule hatten zwei maskierte 14-Jährige eine 58-Jährige im Klassenzimmer angegriffen und ihre Tasche geraubt. Am Montag hatte ein 17-Jähriger in der Röntgen-Oberschule einen 54-jährigen Pädagogen niedergeschlagen. Der Serbe ist der Polizei bereits vielfach wegen Gewalttaten aufgefallen.

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