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Grunewaldstraße 87 in Berlin : Problemhaus in Schöneberg: Zwangsverwaltung beantragt

Ein Berliner Anwalt hat beantragt, dass das berüchtigte Haus in der Grunewaldstraße 87 unter Zwangsverwaltung durch den Bezirk oder Senat gestellt wird. Grund dafür sind angebliche Übergriffe im Haus.

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Müllabladeplatz. Kaum wird der Unrat im Hof der Grunewaldstraße 87 beseitigt– schon ist er in ein paar Tagen wieder da.
Müllabladeplatz. Kaum wird der Unrat im Hof der Grunewaldstraße 87 beseitigt– schon ist er in ein paar Tagen wieder da.Foto: privat

Ein Anwalt, der fünf Familien aus dem berüchtigten "Problemhaus" in der Grunewaldstraße 87 vertritt, hat die Zwangsverwaltung des Gebäudes durch den Bezirk oder Senat per Eilverfahren beantragt. Der Rechtsanwalt Benjamin Düsberg begründete den Antrag damit, dass zum 1. Juli offenbar weitere „illegale Zwangsräumungen“ von mindestens fünf rumänischen Familien geplant seien.

Vertreter der G 87 Grundbesitz GmbH haben die betroffenen Bewohner demnach „unmissverständlich“ aufgefordert, die Wohnungen zu verlassen - obwohl sie über gültige Mitverträge verfügten. Laut dem Schreiben des Anwalts werden die Familien, die nicht freiwillig gehen wollen, durch zwei angebliche Angestellte der Hausverwaltung eingeschüchtert und bedroht; gewaltsame „Hausbesuche“ in den Abend- und Nachtstunden seien an der Tagesordnung. Der Verein Amaro Foro habe diese Drohungen dokumentiert. „Die Eigentümerin geht so vor, weil man sie lässt. Konsequenzen musste die G 87 Grundbesitz GmbH bisher nicht tragen“, sagte Düsberg und forderte: „Das Land Berlin muss die Verwaltung für das Mietobjekt vorübergehend übernehmen und von ihrem Recht, Bußgelder zu verhängen, Gebrauch machen, um die Missstände endlich zu beseitigen.“ Die G 87 Grundbesitz GmbH war vorerst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Vor der Tür sieht noch alles ruhig aus. Die Hölle offenbart sich erst im Innern.
Vor der Tür sieht noch alles ruhig aus. Die Hölle offenbart sich erst im Innern.Foto: dpa

Mieter, die schon länger im üppig verziertes Gründerzeithaus leben, unterstellen dem Besitzer, dass er sie mittels einer Überbelegung durch rumänische „Neumieter“ herausekeln will, um das Haus teuer zu verkaufen. Im Hof stapelt sich immer wieder viel Müll und die Wohnungen im Seitenflügel sind von Schimmel befallen.

Trotzdem sind die Neumieter auf diese Behausungen angewiesen, weil sie laut Düsberg sonst höchstwahrscheinlich auf der Straße landen würden. Die beiden sogenannten „Hausmeister“ nutzen diese Hilflosigkeit aus und treiben die Mieten brutal ein. Vielleicht lässt sich über die finanzielle Not der Familien auch die starke Zunahme von Delikten wie Diebstahl und Einbrüchen im Umfeld des Hauses seit Ende 2014 erklären. Ob die Neumieter Täter oder Opfer sind, ist wohl eine Frage des Blickwinkels.

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